Ein Sommer in Rom - eine Frau und ihre intimen Bekenntnisse 2

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Anna Bridgwater

Ein Sommer in Rom
– Eine Frau und ihre intimen Bekenntnisse 2

LUST

Ein Sommer in Rom - eine Frau und ihre intimen Bekenntnisse 2

Aus dem Dänischem von Mareike Zoege nach

Copyright © 2016, 2018 Anna Bridgwater und LUST

All rights reserved

ISBN: 9788711970935

1. Ebook-Auflage, 2018

Format: EPUB 3.0

Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach Absprache mit LUST und den Autoren gestattet.

Ich dachte, ich kenne mich selbst. Es ist noch nicht lang her, als ich dachte, ich wisse alles darüber, was mein Körper mir an Lust und Freude geben kann. Ich dachte, ich hätte alle erotischen Erfahrungen gemacht, die ein Frauenkörper erleben kann – allein oder gemeinsam mit anderen. Aber ich hatte mich geirrt. Das stellte ich fest, als ich in dem Sommer, in dem ich verlassen worden war, allein nach Italien reiste. Ich wurde klüger und entdeckte, dass die Welt noch komplexer war.

Als mein Mann Rune auszog, war das Erste, das ich tat: Ein Ticket nach Rom kaufen. Oder genauer gesagt war es das Erste, das ich tat, das sich nicht um Alltag, Abendessen und das Leben mit den zwölfjährigen Zwillingsjungen und einem Mann, der ein Zimmer bei einem Kumpel gemietet hatte, um sich etwas Zeit zum Nachdenken zu geben, drehte.

Ich wollte nach Rom um an einem Ort zu sein, an dem ich dünne Kleider tragen und die warme Luft an meinen nackten Beinen spüren konnte. Ich wollte in eine Hitze, in der ich mich langsamer bewege und Schweißperlen von meiner Oberlippe lecke, wollte etwas Schönes betrachten, Weißwein trinken und einfach in Körper und Sinnen schwelgen. Ich wollte eine Pause von meiner Rolle als Mutter, frisch getrennter Frau und Angestellter im Personalwesen bei einer Firma in Kopenhagen. Außerdem wollte ich in Rom allein sein. Ich versprach mir selbst physische Enthaltsamkeit. Von Männern und dem Traum sexueller Gelüste wollte ich mich fern halten.

Hinter meinem Gelöbnis an mich selbst, für mich allein zu bleiben, steckten weder Scham noch ein moralischer Rückschlag. Ich weiß nur, dass ich zu viel zu vielen Männern – und auch ein paar Frauen – zu unkritisch „Ja“ gesagt habe und dass das an mir gezehrt hat. Ich habe mich beim Küssen und Liebe machen mit Männern, die ich kaum kannte, nicht immer selbst wiedererkannt. Ich weiß auch, dass alle meine Eskapaden, Abenteuer und Seitensprünge destruktiv waren. Ich habe das Vertrauen anderer mit Füßen getreten und wurde meinerseits getäuscht. Ich habe die Beziehung zu meinen Kindern aufs Spiel gesetzt. Was wäre passiert, wenn sie herausgefunden hätten, dass ihre Mutter es mit Massen an Männern treibt? Sie hätten mich verachtet und ihre Verachtung würde weh tun und tiefe Wunden in unsere Beziehung reißen.

Am Tag vor meiner Abreise stand ich eine Weile vor dem großem Spiegel im Bad, betrachtete meinen hellen Körper und versprach mir selbst, ihn für mich zu behalten. Ich betrachtete das wohlfrisierte Schamhaar, das einen schmalen Streifen von der Haut am Bauch hinunter zu meiner Spalte bildete. Ich legte eine Hand auf meine Brüste und blinzelte. Durch den verschwommenen Blick sah ich aus wie ein Gemälde der jungfräulichen Venus, die aus dem Schaum des Meeres geboren wird. Meine Hand strich sanft über die kleine Rundung meines Bauches und legte sich über mein Geschlecht. Ich fühlte mich schön und ängstlich.

„Das Herz hat nie unrecht“, schrieb meine Jugendpoetin Emily Dickinson. Die Worte erscheinen mir wahr, aber es wäre präziser gewesen, zu schreiben: „Der Körper hat nie unrecht“. Das Herz, dieses zweifelnde und unsichere Herz, steuert den Körper und der Körper treibt mich hin zu allen Männern, dessen Körpern ich je begegnet bin. Das Herz sucht Trost und tut dies mithilfe des Körpers. Und der Körper weiß, was er will. Der Körper will begehren, wie es ihm gerade passt, und der Mensch, in dessen Brust das Herz vorübergehend schlägt, hat dazu nichts zu sagen. Mein Körper hat selten unrecht, denn er hat mir so viel sinnlichen Genuss geschenkt, dass mein Leben ohne ihn ärmer gewesen wäre. Gleichzeitig wusste ich genau, dass die Freude an den körperlichen Lüsten einer der Gründe dafür war, dass mein Mann mich verlassen hat. Denn während ich meinen Blick von ihm weg wandte und für einen Moment andere Männer wählte, konnte er mein Herz nicht finden und musste sich seinerseits nach anderen umsehen. Jetzt wollte ich versuchen, mich zu ändern.

Ich hatte keine Lust, auf meiner Reise allein zu sein, aber es gab auch niemanden, mit dem ich zusammen sein wollte. Ich wollte meine Stunden und Tage nicht von den Worten, Gewohnheiten und Bedürfnissen anderer Menschen definieren lassen. Daher fragte ich keine Freundinnen, mich in den Urlaub zu begleiten. Außerdem war mir klar geworden, dass ich der einsamste Mensch von allen war: Ein Mensch, der sein ganzes erwachsenes Leben von anderen umgeben und im festen Rahmen von Familie, Erledigungen, Kollegen und geselligen Abenden geborgen gewesen war. Meine Familie war, mit all ihren Abmachungen, Fußballspielen und Pärchenabenden, verschwunden. Als ich mich auf den Weg machte, war ich sehr allein.

Schon auf dem Flughafen in Kopenhagen signalisierte mir ein kribbelndes Verlangen im Bauch, dass meine Lust auf Männer durch meinen Beschluss, mich von ihnen fern zu halten, nicht abgenommen hatte. In der Schlange vor den Sicherheitskontrollen stand ich hinter einem Mann in hellgrauen Leinenhosen über einem runden, muskulösen Hintern, der so formvollendet war, als gehöre er einer Statue. Meine Hand wollte so gern die Rundungen seiner Gesäßbacken fühlen, nur flüchtig mit dem Handrücken über diese Festigkeit streichen. Meine Hüften sehnten sich danach, nah an dem fremden Mann zu stehen und seine festen Muskeln zu spüren. Doch ich unterbrach mein stilles Begehren seines Körpers und ging weiter, in den Flughafen hinein, vorbei am Gewimmel der Menschenkörper mit ihren Muskeln, Sehnen, Rundungen, Ausbuchtungen und Sinnen. Meine Augen sahen keine Individuen, sondern Bedürfnisse. Bedürfnisse andere zu spüren, Lust und Wohlbehagen und Freude zu empfinden. Die Körper waren in Kleidung und Umhängetaschen eingepackt und schleiften Plastiktüten und Kinder und Spielzeug und Kameras, aber es waren alles Körper, die atmeten und leuchteten und nach Erlösung und Wollust dürsteten. Ich war erfüllt von Zärtlichkeit und Zuneigung in Anbetracht aller dieser warmen Körper mit ihrem klopfendem Herzschlag, ihren Verlegenheiten, ihrer Sehnsucht, Lust, Entbehrung, mit ihrem brausenden Blut und ihren unbeholfenen Händen. Körper, die nun auf dem Weg in den Urlaub waren um Gürtel und Knöpfe und Reißverschlüsse zu lockern und ein paar Tage lang einfach nur Körper zu sein. Ich hatte Lust die Menschen zu berühren, besonders die Männer. Ich hatte Lust meine Hand ganz unten auf ihren Rücken zu legen, genau am Steißbein. Aber ich hatte auch Lust den Frauen übers Haar zu streichen und meine Wange an ihre zu legen, ihre weiche Haut zu spüren und ihr Parfüm zu inhalieren. Ich hatte Lust die perfekte, weiche Haut an den Armen der Kinder zu spüren und meine Hand in den Nacken eines Kindes zu legen, dort, wo das Haar von Schweiß und Erwartung ein bisschen feucht geworden war. Ich tat nichts von alledem. Ich setzte mich in eine der Bars, trank ein Glas Wein und kam in Blickkontakt mit einem Mann im Anzug, der dort mit seinem iPad und einem Bier saß. Ich brach den Blickkontakt ab, glitt vom Barhocker, heraus aus der Bar und hin zu meinem Flieger und war stolz mich nicht neben den Mann gesetzt zu haben.

Als ich in Rom aus der U-Bahn kam, traf mich die Hitze mit einem leichten Schlag ins Gesicht. Eine Mischung aus einer Ohrfeige und einer Liebkosung. Auf dem Weg ins Hotel kaufte ich Aprikosen und Wasser. Die Tür des Hotelzimmers schloss ich hinter mir ab und legte mich glücklich in das kühle Meer der weißen Laken. Ich fiel in einen verwirrten, warmen Halbschlaf, in dem die Geräusche der Autos und Mopeds in meine Träume durchdrangen. Als ich aufwachte, klebte mein Pony an der Haut meiner Stirn. Eine Schweißperle rollte vom Brustbein hinunter zwischen die Brüste und in einem kitzelnden Weg weiter zur Taille hinab. Ich legte eine forschende Hand auf mein Schambein und mein Geschlecht wurde von einer hitzigen Lust überschwemmt. Ich zog meine Knie hoch zur Brust, meine Beine fielen zur Seite und ich legte eine Hand außerhalb der feuchten krausen Schamhaare auf meinen Slip. Meine Finger tasteten sich vorsichtig voran, um unter dem dünnen Stoff meine Spalte zu finden. Die Nagelspitze des Zeigefingers folgte der Spalte weiter nach unten und zog sich zurück. Ich hob die Hand und betrachtete den transparenten Perlmuttschimmer des Fingernagels im Licht, das schräg durchs Fenster fiel. Das rasselnde Geräusch von Jalousien, die hochgezogen wurden, verriet mir, dass die Siesta vorbei war. Aber ich blieb liegen. Ich roch an meinem Zeigefinger, der einen leichten Duft nach Salz bekommen hatte. Der Geruch war tierischer als gewöhnlich, was an der Wärme liegen musste. Nun schob ich meine Hand unter den Saum des Slips und bewegte zwei Finger über meine verschwitzten, geschwollenen Schamlippen. Ich kenne meinen Körper und kann mich selbst innerhalb weniger Minuten zum Orgasmus bringen, aber an diesem Tag nahm ich mir mehr Zeit. Ich nahm eine Aprikose und rollte sie mit der Handfläche über meine Haut, von meinen Brüsten über den Bauch und hinunter zu meiner Vulva. Ich rollte die Aprikose unter den Saum des Schlüpfers und lag einfach da, völlig regungslos, mit der Frucht an mein Geschlecht gepresst. Dann streifte ich den Schlüpfer ab und rollte die Aprikose weiter nach unten. Ich öffnete mich, als ob mein Körper die Frucht einsaugen könnte. Die Aprikose war angenehm kühlend und trieb mich an und ich presste die Frucht etwas härter an mich und rollte sie mit festen Bewegungen unter meiner Handfläche. Der Aprikosensaft vermischte sich mit meinen eigenen Säften und der Duft der Frucht vermischte sich mit meinem salzigen, wohligen Duft und dem Duft des Raumes nach sommerwarmem Staub und sauberer Bettwäsche. Ich hob die Aprikose an meinen Mund und biss ein Stück ab, sodass der Saft mir aus den Mundwinkeln rann. Während ich mich mit langsamen Bewegungen mit der einen Hand selbst liebkoste, zeichnete ich mit der offenen, tropfenden Aprikose kleine Kreise um meine eigenen Brustwarzen. Als ich kam, durchströmte mich ein Wärmeschock.

 
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