Typisch Japan

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INHALT

Einführung

Willkommen in Japan

Karte: Japans Regionen

Frühling

Sommer

Herbst

Winter

Die erste Begegnung

Historisches

Japan überall auf der Welt

Facettenreiches Japan

Karte: Japanische Landschaften

Stadtlandschaften

Im Fokus: Kanaldeckel

Ländliches Japan

Japans Berge

Im Fokus: Der Fuji

Inselreichtum

Zeitloses Japan

Karte: Kulturelles Erbe

Shinto

Buddhismus

Im Fokus: Fortuna und ihre Anhänger

Sieben Glücksgötter

Ästhetik und Design

Im Fokus: Ikebana

Traditionell wohnen

Gartenkunst

Im Fokus: Bonsai

Malerei

Farbholzschnitte

Keramik

Dekorative Kunst

Im Fokus: Origami

Kalligrafie

Innovatives Japan

Karte: Japans Innovationen

Wunderwerke der Technik

Technische Spielereien

Im Fokus: Evolution der Roboter

Videospiele

Klangwelten

Kreatives Japan

Karte: Japans Kunst und Design

Trends in der Architektur

Moderner Stil

Moderne Kunst

Im Fokus: Yayoi Kusama

Kawaii

Fashion

Literatur

Manga und Anime

Im Fokus: Die Entwicklung einer Manga-Serie

Unterhaltsames Japan

Karte: Sport & Unterhaltung

Japanisches Theater

Im Fokus: Das Kabuki-Erlebnis

Die Welt der Geishas

Japanische Musik

Im Fokus: Ultimative Popsternchen

Nachtleben

Leidenschaftliches Japan

Im Fokus: Otaku-Viertel

Japan in Film und Fernsehen

Im Fokus: Japanische Kinofilme

Sportereignisse

Im Fokus: Kampfkünste

Kulinarisches Japan

Karte: Regionale Spezialitäten

Sushi und Sashimi

Nudeln

Reis

Regionale Küche

Im Fokus: Kaiseki-ryori

Snacks

Im Fokus: Wagashi

Tee

Im Fokus: Teezeremonie

Whisky

Sake

Gesundes Japan

Karte: Gesunde Lebensweise

Heiße Quellen

Im Fokus: Einweichen in onsen

Gutes Essen, Bewegung und ein langes Leben

Pilgerreisen und Wanderpfade

Im Fokus: Der Yoshida-Pfad

Japanische Philosophien, die es zu leben gilt

Danksagung und Bildnachweis

Impressum


Die Chureito-Pagode mit dem Berg Fuji im Hintergrund.


Die belebte Shibuya-Kreuzung im Zentrum Tokyos.

Typisch Japan
Kultur, Tradition und Lebensgefühl

Im Sommer 1853 segelten vier amerikanische Schiffe in die Bucht von Tokyo und beendeten damit Japans 200 Jahre währende Isolation. Sofort war die Welt fasziniert von dem außergewöhnlichen Inselreich. Diese Begeisterung löste eine wahre Welle aus – bekannt als Japonismus –, die die westliche Kunst und Ästhetik nachhaltig beeinflusste und veränderte. Und diese Faszination hält bis heute an. Das authentische Japan – verblüffend modern und traditionell zugleich – ist mit eleganten Geishas, in Roben gekleideten Mönchen, J-Pop-Megastars und visionären Ingenieuren extrem facettenreich.

 

Typisch Japan nimmt Sie mit auf eine Entdeckungsreise durch das Land und erforscht die Kunst, japanisch zu leben: ein schwieriger Balanceakt zwischen dem Festhalten an altbewährten Traditionen, dem Genuss sämtlicher Vorteile eines modernen Lebens und dem furchtlosen Blick auf das, was kommt.

Nehmen auch Sie für Ihren Alltag ein wenig japanische Weisheit an und erleben Sie die gegensätzlichen Sinnesfreuden: Begeistern Sie sich für die Vergänglichkeit der Kirschblüten, besuchen Sie ein Sommerfest, erleben Sie die Präzision einer Teezeremonie, singen Sie Ihren Lieblingssong beim Karaoke oder tauchen Sie in eine heiße Quelle mit Blick auf den Berg Fuji.

Es gibt viele Gründe, sich in diese Nation zu verlieben. In diesem Buch finden Sie vielerlei Anlässe, das Land der aufgehenden Sonne immer wieder zu besuchen.


Ein Geisha-Lehrmädchen in Kyoto.

WILLKOMMEN IN JAPAN

Japan erstreckt sich vom eisigen Rand Sibiriens bis hinunter zu den Tropen. Der Archipel aus Tausenden von Inseln bietet eine unglaublich große Palette an unterschiedlichsten Landschaften – von ultramodernen Städten über glimmende Vulkane bis hin zu abgelegenen Stränden und üppig grünen Tälern. Vereint werden diese klimatischen, geografischen und perspektivischen Unterschiede vom Rhythmus der Jahreszeiten, zu dem das Herz des Landes seit jeher schlägt. Er bestimmt das wechselnde Wetter, die saisonale Küche sowie das kulturelle Leben der insgesamt 127 Millionen Japaner. Absolut verblüffend ist auch das Verkehrsnetz, das es so einfach macht, das Land zu bereisen – mit dem Fahrrad, dem Flugzeug, der Fähre oder dem Hochgeschwindigkeitszug. Und wenn Sie sich auf einen Trip nach Japan einstimmen, Ihre Urlaubsreise noch lange in Erinnerung behalten oder sich einfach dem japanischen Lebensgefühl hingeben wollen, dann ist die japanische Kultur heute so nah wie nie zuvor: egal, ob beim Sushi-Essen in London oder beim Betrachten der Kirschblüten in San Francisco.


Japans Regionen

Japan besteht aus Tausenden Inseln, die sich östlich vom asiatischen Kontinent in einer Länge von 3000 Kilometern über den Pazifischen Ozean ziehen. Als Festland werden die fünf größten Inseln des Archipels bezeichnet: Honshu, Hokkaido, Kyushu, Shikoku und Okinawa. Die Inseln sind in 47 Verwaltungseinheiten (Präfekturen) unterteilt. Diese werden wiederum zu acht Regionen gruppiert. Jede von ihnen hat ihren ganz eigenen Charakter mit regionalen Sitten und Gebräuchen – geprägt durch die unterschiedlichen geografischen und klimatischen Bedingungen.


Die fünf Hauptinseln

Der japanische Archipel besteht aus 6852 Inseln, von denen nur 430 bewohnt sind. Die überwiegende Mehrzahl der Bevölkerung lebt auf den fünf Hauptinseln Honshu, Hokkaido, Kyushu, Shikoku und Okinawa.


Regionen und Präfekturen

Hokkaido

Region Hokkaido

Hokkaido ist eine Region aus Feuer und Eis mit fruchtbaren Feldern, bedrohlichen Vulkanen und besten Skibedingungen.

1Hokkaido

Tohoku

Region Tohoku

Die felsige und abgelegene Region ist reich an Mythen und Legenden. Hier findet man heilige Berge, dichte Wälder, und lebhafte Volkstraditionen.

2Aomori

3Akita

4Iwate

5Yamagata

6Miyagi

7Fukushima

Kanto

Region Kanto

Zu der stark urbanisierten Region Kanto gehören Tokyo und Yokohama. Hier lebt etwa ein Drittel der japanischen Bevölkerung.

8Tochigi

9Ibaraki

10 Saitama

11 Tokyo

12 Chiba

13 Kanagawa

14 Gunma

Chubu

Region Chubu

Die gebirgige Region ist von beeindruckender Schönheit. Hier verschmilzt alte Tradition mit moderner Industrie.

15 Niigata

16 Toyama

17 Ishikawa

18 Fukui

19 Nagano

20 Yamanashi

21 Shizuoka

22 Aichi

23 Gifu

Kansai/Kinki

Region Kansai/Kinki

Diese Kansai oder Kinki genannte Region ist das historische und kulturelle Herz Japans, wo Tradition und schwirrendes Nachtleben Seite an Seite existieren.

24 Hyogo

25 Kyoto

26 Shiga

27 Osaka

28 Nara

29 Mie

30 Wakayama

Chugoku

Region Chugoku

Chugoku oder »Land der Mitte« ist eine zweigeteilte Region mit belebten Städten im Süden und einer stillen, ländlichen Gegend im Norden.

31 Tottori

32 Okayama

33 Shimane

34 Hiroshima

35 Yamaguchi

Shikoku

Region Shikoku

Shikoku bietet einen Blick auf das Land, wie es früher war – mit ländlichem Charme, historischen Häusern und Tempeln.

36 Kagawa

37 Tokushima

38 Ehime

39 Kochi

Kyushu-Okinawa

Region Kyushu-Okinawa

Kyushu-Okinawa verbindet aktive Vulkane, hügelige Wiesen und sprudelnde heiße Quellen mit dem lockeren Tropenparadies des südlicheren Okinawa.

40 Fukuoka

41 Saga

42 Nagasaki

43 Oita

44 Kumamoto

45 Miyazaki

46 Kagoshima

47 Okinawa

Mini-Saisons

Traditionell hatte der japanische Kalender 24 Perioden, die in Mikro-Abschnitte unterteilt wurden, wie etwa higurashi naku (Abendzirpen der Zikaden).

127

Millionen Menschen leben in Japan, das damit auf Platz 11 der bevölkerungsreichsten Länder der Welt liegt.

Frühling
Die Jahreszeit für den Neuanfang

Die rituellen Ausrufe »oni wa soto, fuku wa uchi« (»Dämonen heraus, Glück herein«) zu Setsubun am 3. Februar sind die ersten Zeichen für den Frühlingsbeginn in Japan. In Parks und Gärten sprießen langsam die Knospen, Ende Februar sind die ersten Pflaumenblüten zu sehen. Und jedes Jahr im März zur Zedernblüte ist wieder die Zeit für triefende Nasen und Mundschutz.

Frische Aromen

Während es zum offiziellen Frühlingsanfang, zum shunbun no hi am 21. März, auf Honshu, Kyushu und Shikoku bereits warm und sonnig ist, hängt Hokkaido temperaturmäßig noch hinterher. Okinawa dagegen ist jetzt die wärmste der fünf Inseln. In der neuen Saison macht das schwere Winteressen Platz für leichte Frühlingskost: Sansai-Gemüse kommt wieder auf die Teller, saftige Erdbeeren liegen in den Supermärkten, und frische Bambussprossen geben Gerichten die richtige Knackigkeit.

Rosarote Kirschblüte

Nichts läutet den Frühling schöner ein als die Kirschblüten, die das Land nach und nach in eine Palette von Rosatönen tauchen. Die Japaner feiern das Naturspektakel mit hanami (Blüten betrachten). Heute ist dieses Fest für die meisten Japaner zwar nur eine Gelegenheit, die Natur zu genießen und Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen. Kulturell aber steckt eine tiefe Bedeutung hinter dem Ritual. Das Betrachten der flüchtigen Existenz der Kirschblüten ist das Sinnbild hinter dem Konzept Mono no aware – die Freude und zugleich die Melancholie, die wir bei etwas so Schönem, aber Vergänglichem empfinden. Sie können hanami in ganz Japan erleben, die Blütenfront lässt sich mittels Apps verfolgen. Um sich unters Volk zu mischen, brauchen Sie nur eine Picknickdecke, eine Bento-Box und Getränke.

Voller Frühlingskalender

Hanami ist nicht das einzige Großereignis im Frühling. Am 14. März wird der »Weiße Tag« gefeiert, an dem Männer Geschenke machen – als Dank für das, was sie zum Valentinstag erhalten haben. In Japan schenken am 14. Februar nämlich nur Frauen. In die »Goldene Woche« (29. April – 6. Mai) fallen so einige Feiertage, an denen ganz Japan unterwegs zu sein scheint: Die öffentlichen Verkehrsmittel sind proppenvoll, die Preise schießen in die Höhe.

Am dritten Wochenende im Mai findet in Tokyos Stadtteil Asakusa das sehr ausgelassene Sanja-Matsuri-Fest zu Ehren der Sensoji-Tempelgründung statt. Sargträger tragen – laut rufend, tanzend und schubsend – 100 Schreine durch die überfüllten Straßen.

Am 1. April startet das fiskalische und akademische Jahr. Für viele Unternehmen beginnt die jährliche Überweisungsrunde, an Universitäten, Gymnasien, Schulen und Kindergärten finden Aufnahmefeiern statt. Auch der Reisanbau startet: Jetzt werden die gezogenen Setzlinge ausgepflanzt.


Es blüht so schön, wenn in Kyoto die Kirschblüten (sakura) blühen.

Sommer
Fun, Feste und Familie

Der moschusartige Geruch von Anti-Mückenspiralen, das Rasseln der Zikaden, Sonnenschirme, die Schatten spenden – willkommen in Japans Sommer! Ab Ende Juni, wenn die Schwüle der kurzen Regenzeit den Jahreszeitenwechsel signalisiert, enthält jede Unterhaltung mindestens ein seufzendes »atsui!« (heiß). Wenn der Sommer dann wirklich beginnt, scheint es das meistverwendete Wort überhaupt zu sein.

Das Thermometer steigt

Je nach Region klettern die Temperaturen im Juli und August gern über 35 Grad Celsius, in Städten wie Kumagaya (Präfektur Saitama) sogar noch höher. Da schafft selbst die Abkühlung am Abend oft keine Linderung, da die Luftfeuchtigkeit bei Sonnenuntergang auf 90 Prozent steigt. Zum Glück gibt es in Japan kühlende Köstlichkeiten wie kakigori – geschabtes Eis mit einem Topping aus Fruchtsirup und Kondensmilch. Oder die süßlichen, kalten Nudeln somen. Gegrillter Mais, saftige Wassermelone und gekühlte Edamame sind Sommersnacks, die oft in den Dach-Biergärten, die in ganz Japan im Sommer aufpoppen, zum kalten Bier gereicht werden.

Sommerfeste

Wenn die Sommerfestsaison startet, dann ist dem Japaner keine Hitze zu groß, keine Luftfeuchtigkeit zu hoch. Dann gibt’s nur Spaß. Die Festivals sind sehr verschieden, haben aber Gemeinsamkeiten: die bunten Baumwoll-Kimonos yukata, die alle tragen, Straßenhändler, die gebratene Nudeln sowie kakigori verkaufen, und die Plastikventilatoren, die ein wenig Abkühlung bringen. Viele Feiern zelebrieren Mitte August Obon, wenn die Seelen der Vorfahren nach Hause zurückkehren. Bei dem Familienfest werden Laternen aufgehängt, um die Geister durch die Nacht zu lenken.

In Kyoto ist der Juli dem 1000 Jahre alten Gion Matsuri gewidmet. Höhepunkt des Monats ist eine Prozession riesiger Prunkwagen Mitte Juli. Beim mehrtägigen Awa-Odori-Fest in Tokushima auf Shikoku und der kleineren Tokyo-Version in Koenji (beide im August) gehen Tänzer und Musiker erst zur Dämmerung auf die Straßen, um frenetisch zu feiern. Im Sommer finden im Land auch vielerorts Hunderte von spektakulären Feuerwerken statt.

 

Kampf gegen die Hitze

Um der Hitze zu entkommen, folgen Sie den Japanern zu ihren beliebten Sommerorten. In die luftigen Alpen zum Beispiel, nach Hokkaido im tiefen Norden, wo Winterskigebiete wie Niseko kühleres Sommerklima zum Wandern oder für andere Aktivitäten bieten, oder in die weniger besuchte Region Tohoku mit ihrem Ackerland, schroffen Küsten und Bergketten. Es mag unlogisch klingen, aber auch die Thermalbäder sind sehr beliebt. Die Luft ist meist kühler, und in den Traditionspensionen mit ihren luftigen Tatami-Matten-Räumen kann man sich – in leichten Yukata-Kimonos gekleidet – von der Sommersonne erholen.


Heiße Sommersonne an einem von Okinawas tropischen weißsandigen Stränden.

Herbst
Japan in Rot gezeichnet

Wenn Ende September die Hitze anfängt abzuflauen, spürt man förmlich den kollektiven Seufzer der Erleichterung in Japan. In den Häusern werden die Elektro-Ventilatoren eingepackt und die Fenster weit geöffnet, denn jeder genießt es, wieder frische Luft atmen zu können. Es spielen mehr Kinder in den Parks, und überall im Land verfärben sich die Blätter herbstlich.

Erdige Aromen

Auch wenn es in dieser Zeit Wirbelstürme geben kann, ist das Wetter im Oktober, November und noch im frühen Dezember bezaubernd – tagsüber warm, kühl in der Nacht und überwiegend trocken und sonnig. Die Herbstküche ist ebenso besonders. Ende November ist es kalt genug für die Nabe-Feuertöpfe. Auch die teuren Matsutake-Pilze kommen wieder auf die Teller: einfach gegrillt, um ihr erdiges Aroma zu betonen, gedämpft mit Reis als matsutake gohan oder zusammen mit Shrimps, Hühnchen und saisonalen Ginkgonüssen für dobin mushi. Diese klare Suppe wird in einer kleinen Teekanne gedünstet und in einer Teetasse mit einem Spritzer Sudachi-Zitrusfrucht serviert.

Wertschätzung der Natur

Ähnlich wie die Kirschblüten im Frühling sind im Herbst die koyo (Herbstblätter) ein Naturschauspiel. Es gibt zwar kein Pendant zu den Hanami-Festen, aber die Menschen besuchen die Parks und reisen in die Berge, um das bunt gefärbte Laub zu bestaunen. Die gelben Blätter entlang der Ginkgo Avenue im Meiji-Jingu-Gyoen-Park sind der Hit, genauso wie das strahlende Rot und Gelb im Rikugi-en-Park. Am Eikando-Tempel in Kyoto stehen die Menschen für das tiefrote Blattwerk der Ahornbäume Schlange. Abseits der Städte ist es weniger überfüllt, wie etwa an den fünf Fuji-Seen nahe dem Berg Fuji und im Nationalpark Daisetsuzan in Hokkaido. Der Berg Hachimantai zwischen den Präfekturen Iwate und Akita in Tohoku präsentiert einen wahren Herbstfarbenrausch, der am schönsten aus einer der vielen heißen Quellen der Region anzuschauen ist.

Herbstfestivals

Neben Naturschauspielen bietet der Herbst auch Großereignisse wie Kyotos Jidai Matsuri Ende Oktober. Bei dem Fest prozessieren mehr als 1000 Teilnehmer, die Personen aus der japanischen Geschichte darstellen. Am Tosho-gu-Schrein in Nikko (UNESCO-Welterbe) findet Mitte Oktober das Große Herbstfest mit Yabusame-Vorführungen (Bogenschießen zu Pferd) statt. An Halloween ist es abends in Shibuya in Tokyo noch warm genug für die größte Kostümparty des Jahres. Sie zieht jährlich etwa eine Million Menschen an, und es kann ziemlich laut zugehen. Nichts für Kinder also. Viel unauffälliger ist das Shichi-Go-San Mitte November. Bei diesem nationalen Fest werden Kinder im Alter von drei, fünf und sieben Jahren in bunte Kimonos gesteckt. Zusammen mit ihren Familien besuchen sie dann die Schreine, um für zukünftiges Glück zu beten.


Herbstlich gefärbtes Blätterwerk am Kiyomizu-dera-Tempel in Kyoto.

Winter
Warm halten und nach vorn sehen

Wenn Ende November in Tokyo die letzten Herbstblätter zu Boden fallen, schleicht sich ganz langsam der Winter ein. Bei größtenteils blauem Himmel kann die Luft so trocken werden, dass die Haut zu reißen droht. In den Automaten werden viele Kaltgetränke gegen warme ausgetauscht. Abends hört man die eingängige Musik der Süßkartoffelwagen, die mit ihrem karamellisierten Kohleduft die Winterzeit einläuten. Und sobald die Halloween-Dekoration abgehängt wird, strahlt mit der Winterbeleuchtung festliche Vorfreude durchs ganze Land.

Wärmende Gerichte

Von Dezember bis Ende Februar ist es in vielen Teilen Japans sehr kalt. Um sich aufzuwärmen, schwören jetzt viele auf saisonale Speisen wie Schmorgerichte, Currys und Eintöpfe wie oden. Die auffälligste Köstlichkeit dieser Jahreszeit kommt in ganz Japan gegen Ende Dezember mit osechi-ryori (traditionelle Neujahrsgerichte) auf die Tische – oder in verzierte Lackkartons. Diese wunderschönen Boxen präsentieren hübsch aufgeteilte Portionen Bohnen, Fleisch, Fisch und andere kleine Häppchen, die alle eine eigene Bedeutung haben. So symbolisieren schwarze Bohnen Gesundheit, und der Seetang kobu wird mit yorokobu oder Freude assoziiert. Bei den roten und weißen Fischpasteten kamaboko steht Weiß für die Reinheit, und Rot ist die Farbe für Glück. In jeder Box gibt es mehr als ein Dutzend Dinge zu probieren. Zu Silvester werden oft Soba-Nudeln gereicht. Sie sollen ein langes Leben symbolisieren.