Super Western Doppelband 1 - Zwei Wildwestromane in einem Band

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Alfred Bekker, Heinz Squarra

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Inhaltsverzeichnis

  Super Western Doppelband 1 - Zwei Wildwestromane in einem Band

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  Oregon Treck

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  Höllenjob in Kansas

Super Western Doppelband 1 - Zwei Wildwestromane in einem Band
Alfred Bekker, Heinz Squarra

Dieser Band enthält folgende Romane

Oregon Treck (Heinz Squarra)

Höllenjob in Kansas (Alfred Bekker)

"Da kommen sie - diese verdammten Blauröcke!", presste Jeffrey Bridger zwischen den Zähnen hindurch. Zusammen mit mehr als zwei Dutzend Bewaffneten lauerte er in den steinigen Hängen und blickte in die langgezogene, gewundene Schlucht hinab. Eine Abteilung Kavalleristen der US-Army ritt dort entlang...

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COVER: STEVE MAYER NACH MOTIVEN VON DIXON DIXON

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author /XXXX

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Alles rund um Belletristik!

Oregon Treck

Western von Heinz Squarra

Der Umfang dieses Buchs entspricht 113 Taschenbuchseiten.

Sie kommen aus Pittsburgh – harte Arbeit in der Fabrik für wenig Lohn, Enge, Gewalt und Armut haben bisher ihr Leben bestimmt. Deshalb begeben sie sich auf den langen Treck von Missouri nach Oregon. Sie haben nur ein Ziel, als Farmer ein neues, besseres Leben zu beginnen . Vierhundert Meilen sind es bis Fort Laramie – ihr erstes Etappenziel. Der Weg führt durch karges Land, und ihnen sitzt die Angst im Nacken, weil jederzeit feindliche Indianer angreifen können. Ted Catto, ein ehemaliger Spieler, führt die Gruppe Siedler durch das unbekannte Gebiet, wo überall Gefahren lauern. Als Indianer gesichtet werden, die sich zusammenrotten, ist ihnen klar, dass es keinen anderen Ausweg gibt – sie müssen kämpfen, um zu leben …

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

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© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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1

Mit kehligem Geschrei jagte die Reitergruppe über die flache Hügelkuppe und kam ins Tal herunter. Bronzefarbene Haut schimmerte im grellen Sonnenlicht. Pferde wieherten. Gewehre entluden sich. Sirrend gingen Kugeln über die siebzehn Planwagen, die Ochsen, das Vieh und die neunundvierzig Menschen hinweg. Die Männer schlugen mit ihren Peitschen auf die Ochsen ein, was die behäbigen Tiere jedoch nur in einen mäßigen Trott zu versetzen vermochte.

Ted Catto hatte sein Pferd gezügelt, warf es herum und feuerte aus seiner Winchester 66 auf die heranstürmenden Indianer, die so plötzlich aufgetaucht waren. Er sah ein Pferd zusammenbrechen und einen der Reiter durch die Luft fliegen und in eine quirlende Staubwolke eintauchen.

Dann warf Catto das Pferd wieder herum, bahnte sich einen Weg durch die sich selbst überlassenen zwanzig Rinder und brüllte: „Anhalten! — Hören Sie, Stone, halten Sie an!“

„Anhalten!“, kommandierte der stämmige Mann, gab seiner Frau die Peitsche und griff nach seiner Sharps 52, die er geladen hinter sich im Planwagen liegen hatte.

Stones Frau bemühte sich, die Ochsen zu zügeln. Stone kletterte durch den Wagen, warf sich auf seine Matratze und feuerte auf die heranstürmenden Indianer.

Die Wagen kamen zum Stehen.

Noch bevor die Indianer bis auf hundert Yard herangekommen waren, entlud sich ein halbes Dutzend Gewehre gleichzeitig.

Ted parierte sein Pferd neben Stones Wagen, sprang aus dem Sattel und band den Zügel ans Hinterrad.

Die beiden großen Schäferhunde Stones sprangen kläffend um Ted herum, aber er kümmerte sich nicht um sie. Er feuerte, die Schulter an der Felge des Rades, auf die Indianer.

Die schweren Gewehre der Auswanderer entluden sich erneut. Pferde prallten bei den Indianern gegeneinander.

Ein Rind wurde getroffen, brüllte und jagte der Bande mit Bocksprüngen entgegen. Es prallte gegen ein Pferd und brachte es mit seinem Reiter zu Fall.

In einem Wagen weinte ein Kind.

Eine Frau schrie: „Wo ist denn nur das andere Gewehr? Kannst du in deinem Kram nicht Ordnung halten, zum Teufel!“

Ted feuerte, repetierte und feuerte erneut. Abermals entlud sich ein halbes Dutzend der schweren Flinten gleichzeitig. Als wären sie gegen eine Mauer gelaufen, stoppten die Indianerpferde der ersten Welle zum größten Teil. Ein paar stiegen in die Höhe, andere brachen zusammen. Die zweite Welle lief gegen den Wall, und nur ein paar der Reiter kamen durch und gerieten zwischen die aufgeschreckten Rinder.

„Schießt!“, schrie Alois Stone. „Die schicken wir alle zur Hölle! Die dürfen es nicht bereuen, hinter uns hergekommen zu sein!“

 

Ted feuerte sein Gewehr leer. Immer dichter quoll der Staub in die Höhe und hüllte die nun schon im Kreis reitenden Indianer ein. Und immer wieder wurde einer getroffen und stürzte, oder ein Pferd wieherte gequält und brach zusammen.

Ted ließ sein Gewehr sinken und suchte in seinen Taschen nach Patronen.

Die nächste Salve peitschte über die weite Prärie und die Kugeln fuhren in die Staubwand, aus der ein Schrei gellte. Rinder kamen aus dem Staub, schlugen Haken und verschwanden wieder.

Ted Catto hatte sein Gewehr geladen, schaute hinüber zu den toten Pferden und den erschossenen Indianern. Er hörte den Hufschlag noch, aber es klang als würde er sich entfernen.

Die Auswanderer schossen noch einmal, dann rief Alois Stone: „Die haben genug!“

Eine Weile geschah nichts. Nur der Boden dröhnte unter den Hufen der Rinder, der Pferde und der vier Ziegen, die allerdings an den Wagen festgebunden waren. Stones Schäferhunde liefen ein Stück auf die Staubwolke zu, hielten aber dann doch in achtbarer Entfernung an und kläfften.

Ted Catto machte sein Pferd los und schwang sich in den Sattel. Das Gewehr in der Armbeuge ritt er langsam zurück, den Blick wachsam auf den treibenden Staub gerichtet. Er erreichte die ersten toten Pferde, die mit ausgestreckten Beinen starr im Büffelgras lagen, und er sah die toten Indianer, vermutlich Cheyennes, aber das wusste er nicht genau. Einer der Indianer sprang jäh in die Höhe und schwang eine Streitaxt über den Kopf. Er schrie dazu etwas, was Ted nicht verstand.

Bevor der Indianer die Axt werfen konnte, war Teds Gewehr herumgezuckt und entlud sich mit einem scharfen Knall.

Der Indianer zuckte zusammen, machte noch einen taumelnden Schritt, verlor die Axt und stürzte auf den Boden.

„Narr“, knurrte Catto. Er ritt weiter in den treibenden Staub hinein.

Überall lagen die Toten und die erschossenen Pferde. Es mussten gut ein Dutzend Indianer sein, die hier den Tod gefunden hatten. Und fast noch einmal so viele Pferde.

Ein Indianer bewegte sich noch auf dem Boden und stöhnte, als Ted Catto bei ihm anhielt. Der Indianer lag mit dem Gesicht nach unten im Sand, zog die Beine an und streckte sie wieder aus.

Ted schob das Gewehr in den Sattelschuh, stieg ab und half dem Indianer, auf die Beine. Es war ein kleiner leichter Bursche. Höchstens sechzehn Jahre alt, wie Catto schätzte. Er war am Kopf verletzt und hatte ein Loch in der Brust, aus dem in gleichmäßigen Abständen Blut pulste. Als Ted den Indianer losließ, taumelte er und fiel wieder in den Sand.

Hufschlag drang an Cattos Ohren. Er schaute zurück und sah den stämmigen Alois Stone und zwei weitere Auswanderer aus dem Staub auftauchen. Die Männer hatten Pferde gesattelt, ihre Schlapphüte tief in die Stirn gezogen und die Gewehre in den Händen. Sie wirkten finster, drohend beinahe, und als sie sahen, dass sich der Indianer noch bewegte, hielten sie an und spannten die außenliegenden Hämmer ihrer mörderischen Gewehre.

„Er ist verletzt“, sagte Ted. „Ziemlich schwer.“

Alois Stone ließ sein Gewehr sinken. Der Mann neben ihm sagte: „Nur tote Indianer sind gute Indianer.“

„Von uns ist noch nicht mal einer ernstlich verletzt worden“, erwiderte Alois Stone.

„Trotzdem!“ Der andere Mann legte das Gewehr an und zielte auf den Indianer.

Ted brauchte nur einen Schritt vorwärts zu machen. Dann stand er zwischen dem Reiter und dem Verletzten, der wieder stöhnte.

Der Auswanderer ließ die Mündung ein wenig sinken.

„Wir werden ihn verbinden“, sagte Ted. „Dann muss er zusehen, ob er es bis zu seinen Leuten schafft oder nicht. Vielleicht kommen sie auch zurück.“ Alois Stone stieg ab und kramte in seiner Satteltasche. Der stämmige Mann war der Anführer der Auswanderer, denen Ted sich als eine Art Scout angeschlossen hatte. Stone war achtundvierzig. Er hatte ein raues Gesicht, kurz geschnittenes Haar. Stone war rasiert, trug ausgebeulte Hosen und eine derbe Jacke über einem verwaschenen Hemd. Er hatte einen Revolver hinter dem Hosenbund und ein Messer im Schaft seiner langen Stiefel.

„Vielleicht merken die anderen, dass wir keine bösen Absichten haben, wenn wir einen Verletzten nicht umbringen“, sagte der dritte Mann.

Eben!“ Stone hatte eine Binde gefunden und kam damit auf Catto zu.

„Verrückt ist es!“, zischte der Mann mit dem noch immer halb angeschlagenen Gewehr. „Wenn er wieder gesund ist, fällt er über uns oder über die nächsten Weißen her.“

Ted und Stone gingen zu dem Verletzten. Ted richtete ihn auf, und der Auswanderer begann den Indianer zu verbinden. In den Augen des jungen Burschen blitzten Hass und Angst. Und er schien nicht zu begreifen, was vor sich ging.

„Die schonen keinen, der ihnen in die Finger fällt!“, knurrte der Auswanderer mit dem halb erhobenen Gewehr. „Da wette ich, Catto!“

Alois Stone verband den Indianer.

Die kläffenden Hunde tauchten auf und beschnupperten die Toten.

Als Stone den Verletzten verbunden hatte, ließ Ted ihn los und richtete sich auf. „So, nun sieh zu, dass du deine Leute findest“, sagte er. „Und versuch ihnen zu erklären, dass wir nichts von euch wollen. Weder von euch, noch von eurem Land. — Wir fahren hier nur durch!“

„Wenn Sie denken, der hätte auch nur ein Wort verstanden, dann sind Sie gewaltig auf dem Holzweg!“ Stone wandte sich ab, ging zu seinem Pferd, schloss die Satteltasche und stieg auf.

Der Indianer blieb sitzen.

Ted ging ebenfalls zu seinem Pferd zurück und schwang sich in den Sattel.

„Steck dein Gewehr endlich ein, Mark!“, schimpfte Stone.

Die beiden Schäferhunde näherten sich nun dem Verletzten, der wegkroch.

„Thorn, Harras, zurück!“, kommandierte Stone barsch.

Knurrend gehorchten die beiden Hunde.

Ted wendete sein Tier und ritt zurück, vorbei an den Leichen und den Kadavern.

„Wir sammeln die Gewehre ein“, sagte Stone.

Vor Ted wurde der Staub durchsichtiger. Er sah die siebzehn Planwagen, die in breiter Kette in dem sich endlos erstreckenden Grasland standen. Hell leuchteten die Planen in der Sonne. Die Rinder und die Pferde der Siedler hatten sich weit verstreut. Auf einem gesattelten Pferd kam Ted ein blondes Mädchen entgegen, das ihn aus graublauen Augen anstrahlte, als es das Pferd parierte.

Petra Wanner war zwanzig Jahre alt, hatte ein schmales Gesicht, perlweiße Zähne, und die Lebenslust in ihr war manchmal am Überkochen, wie Ted in den zehn Tagen, die er nun mit dem Treck unterwegs war, gemerkt hatte.

Das Mädchen lachte, als es das Pferd zügelte. Ted lächelte Petra zu.

„Na, ist alles in Ordnung?“, fragte er, nur um etwas zu sagen.

„Ja, natürlich. Hookers Frau hat furchtbar geschrien. Ihr Arm hat geblutet. Aber der Barbier sagt, es würde sich noch nicht mal lohnen, den Arm zu verbinden.“ Petra Wanner lachte schallend, schaute dann an Ted vorbei und fragte: „Wo sind mein Vater und die anderen?“

„Die sammeln noch die Kriegsbeute ein“, sagte Ted und ritt an dem Mädchen vorbei.

Petra zog ihr Pferd herum und kam wieder an seine Seite. „Was werden Sie machen, wenn wir in Oregon sind, Ted?“

„Das weiß ich noch nicht.“

„Kehren Sie dann in Ihren Saloon nach Missouri Valley zurück? Zu Ihrer Freundin Dana?“

Ted zügelte sein Pferd. Er war ein großer, sehniger Mann, hatte ein schmales Gesicht und dunkle Augen, und unter seinem Hut quollen braune Haare hervor. Ted trug noch die gestreifte Röhrenhose, die Texasstiefel und die doppelreihige schwarze Spielerjacke, aber alles war vom Trail schon ziemlich mitgenommen. Er war dreißig, zehn Jahre älter als das Mädchen.

„Warum sagen Sie nichts, Ted?“, fragte das Mädchen. „Natürlich kehren Sie zu Ihrem Saloon zurück, nicht wahr?“

Ted zuckte die Schultern. „Ich weiß noch nicht, was ich mache“, erklärte er ausweichend.

Das Mädchen strahlte.

Ted schnalzte mit der Zunge und ritt weiter auf die Wagen zu. Er sah Olga Wanner, Petras Mutter, die hinten aus ihrem Planwagen blickte und ihn böse anfunkelte. Ted ritt nach rechts. Das Mädchen blieb neben ihm.

„Petra, komm sofort hierher!“, keifte die Frau, strich das strähnige Haar aus dem Gesicht und machte noch ein paar hässliche Bemerkungen, die Ted nicht verstand.

Er ritt zwischen zwei Wagen und sah dahinter die Männer, die vor den Ochsengespannen Lassos zurechtlegten. Er parierte das Pferd und schaute zur Sonne hinauf, die wie eine fahlgrüne Scheibe hinter einer mehrere tausend Yard hohen Staubglocke am Himmel stand und sich bereits nach Westen neigte.

„Bis wir alle Tiere eingefangen haben, wird es dunkel sein“, sagte einer der Männer brummig.

Ted nickte, stieg ab und lockerte seinem Pferd den Sattelgurt. „Es ist am besten, wir fahren die Wagen zusammen.“

„Habt ihr gehört?“, rief einer. „Wir fahren die Wagen im Kreis zusammen. Heute kommen wir doch nicht mehr weiter!“

In der nächsten Minute knallte die erste Peitsche. Ein Wagen löste sich aus der Kette, rollte noch ein Stück nach Westen und beschrieb dann einen Bogen nach Süden. Nach ein paar Yards blieb der Wagen stehen.

Die nächsten Planwagen folgten und führen nach und nach zu einem Kreis zusammen. Die Ochsen wurden ausgeschirrt.

Von Osten kamen die drei Reiter, beladen mit alten Flinten und anderen Dingen, die sie bei den Toten gefunden hatten.

„Was soll denn das?“, knurrte Mark Wanner, der grauhaarige, breitschultrige Farmer in der geflickten Kleidung, der vier Gewehre unter den linken Arm geklemmt hatte. „Wollen wir hier in der Nachbarschaft der Toten die Nacht verbringen?“

„Es wird wohl Abend werden, bis alle Tiere gefangen sind. Manches Rind ist sicher eine Meile weggelaufen.“

Wanner blickte Stone an und schüttelte den Kopf. „Dann fahren wir eben am Abend noch ein Stück. Hier bei den Toten finden wir doch keine Ruhe. Noch eine Stunde, dann ist der Himmel schwarz von Geiern!“

„Das stimmt“, gab Stone zu bedenken.

Ted zuckte die Schultern. „Ihr müsst wissen, was ihr wollt. Jedenfalls ist es nachts gefährlich, zu fahren.“

„Was wissen denn Sie?“, schimpfte Wanner. „Sie kennen sich doch hier nicht besser aus als wir! Sie können sich doch nicht mal mit den Indianern verständigen!“

„Genug!“, sagte Stone schroff. „Er kennt das Land besser als wir, das ist sicher. Und, dass es nachts gefährlicher ist zu fahren als am Tag, das lässt sich an den Fingern abzählen. — Trotzdem, Catto, sobald wir die Tiere gefangen haben, fahren wir noch mindestens zwei Meilen weiter. Hier bleiben wir nicht. Hierher kommen sicher auch die Indianer zurück.“

„Bei dem Trott, den die Ochsen vorlegen, können uns die Indianer nachts verfolgen, ohne dass wir es merken“, sagte Ted. „Na ja, ihr müsst ja selbst wissen, was ihr wollt.“

„Und ob wir das wissen!“, schimpfte Wanner und warf die Flinten auf den Boden. „Olga, Petra, schafft das Zeug mal in unseren Wagen. — Und ihr anderen macht euch fertig. Wir fangen zuerst die Pferde ein!“

Petra kam von Wanners Wagen herüber, hob die Flinten auf und trug sie weg.

Noch immer fuhren Wagen im Kreis zusammen.

Wanner zog den Patterson-Revolver hinter dem Hosenbund hervor und feuerte in die Luft. Pulverrauch zerstob über den Köpfen der Männer. Die Pferde scheuten und Stones Schäferhunde begannen zu kläffen.

„Wir fahren weiter, wenn wir unser Vieh gesammelt haben!“, schrie Wanner.

2

Es war längst dunkel, als die Wagen zusammenfuhren, die Ochsen ausgeschirrt wurden und das übrige Vieh in die Wagenburg hineingetrieben wurde.

Ted Catto war zurückgeblieben. Er spähte nach Osten. Aber die Indianer, deren Angriff er fürchtete, ließen sich nicht sehen.

Das Schnauben eines Pferdes ließ ihn zusammenfahren und über die Schulter blicken. Undeutlich erkannte er einen Schatten in der Dunkelheit vor den Wagen, zwischen denen Lichtschein aufflackerte.

„Wer ist da?“, rief Ted, während er das Gewehr mit einer schlenkernden Handbewegung repetierte.

„Ich, Stone!“

Ted ließ das Gewehr sinken.

Der Reiter kam näher. „Glauben Sie, die können auch von den Wagen kommen?“, fragte der Aussiedler.

„Indianer können nachts von überall kommen“, gab Ted zurück. „Aber sie machen in der Regel keine Geräusche.“ Stones Hunde tauchten aus dem Dunkel auf und strichen um die Pferde, um sich dann ins Gras zu legen und ihre Pfoten zu lecken.

 

„Die Indianer sehen wir nicht mehr“, sagte Stone. „Denen hat gereicht, was sie bekommen haben.“

„Es waren ja auch nicht viele“, sagte Ted.

„Haben Sie schon mal mehr auf einem Haufen gesehen?“

„Ja. In Texas haben sie mal eine Stadt angegriffen, in der ich gerade war. Da war ein Hügel schwarz von Comanchen.“

„Na ja.“ Stone nahm den Schlapphut ab und strich sich über die schweißnasse Stirn. Dann stülpte er den Hut wieder auf — „Wie lange werden wir bis Fort Laramie noch brauchen?“

„Nach unseren Karten legen wir ungefähr zehn Meilen am Tag zurück. Und gut vierhundert sind es vom Missouri.“

„Dann haben wir noch dreihundert vor uns“, murmelte der stämmige Aussiedler, „Dreißig Tage, wenn wir keine Pause machen und nicht aus der Richtung kommen.“

„Aus der Richtung kommen wir schon nicht.“ Ted blickte auf die beiden Hunde und er fragte sich, ob die es merken würden, wenn sich Indianer anschlichen.

Zwischen den Wagen wurde jetzt ein großes Feuer entzündet.

„Haben Sie Posten ausgestellt?“, fragte Ted.

„Natürlich.“

„Und was gibt es noch zu essen?“

„Das Rind, das die Bande erschossen hat.“

„Darüber wird es ja morgen.“

Stone strich sich über das Gesicht. „Die Männer und Frauen wollten es so. Und sie haben schon so halb und halb beschlossen, einen Ruhetag einzulegen.“ Ted grinste den Mann an. „Dann brauchen wir ja jetzt schon einunddreißig Tage!“

„Ja, ich weiß. — Halten Sie es für möglich, dass wir auch an eine große Indianerbande geraten?“

„Möglich ist alles.“

„Es sind aber doch sicher schon zahllose Trecks über die Prärie gezogen und nicht angegriffen worden. — Sutter soll mit sechzig Ochsen eine Dampfmaschine über die Prärie und die Berge nach Kalifornien geschafft haben.“

„Das ist schon Legende“, sagte Ted spöttisch. „Damals wussten die Indianer noch nichts von der Eisenbahn, auf die sie heute so verrückt wie auf den Teufel selbst sind, Mister Stone.“

„Was haben wir damit zu tun?“

„Wir sind der Eisenbahn sehr nahe“, entgegnete Ted, während er nach Osten spähte. „Ich hab Ihnen doch gesagt, dass wir viel sicherer sind, wenn wir zwanzig Meilen weiter im Norden fahren.“

„Das nehmen Sie doch nur an“, knurrte der Aussiedler. „Im Übrigen entfernt sich die Trasse der Bahn mit dem Tal des Platte River immer weiter nach Süden, je näher wir Fort Laramie kommen. Wir sind von der Bahnlinie schon mindestens dreißig Meilen entfernt!“

„Jaja, das ist richtig“, gab Ted zu.

Nach einer Weile schob sich am Horizont die Mondscheibe in die Höhe und überstrahlte das weite Prärieland mit ihrem kalten Silberlicht.

Die beiden Hunde waren aufgestanden und kläfften den Mond an, aber Stone brachte sie wieder zur Ruhe.

Auf einmal kam von Norden ein dumpfes Poltern; erst ganz leise und kaum hörbar, dann immer deutlicher.

„Was ist das?“, zischte der Farmer und spannte den Hammer seines Gewehres.

Ein Reiter sprengte von Norden heran und schrie: „Indianer! Sie kommen wieder!“

Irgendwo wurde in die Luft geschossen.

Ted schaute zurück und sah hastende Schatten zwischen den Wagen. Er lauschte, schüttelte den Kopf und sagte: „Das sind keine Indianer. Das ist nur ein einzelnes Tier!“

Das dumpfe Poltern wurde von einem Brüllen übertönt. Dann war ein vielstimmiges Kläffen zu hören.

Die Hunde sprangen auf und schlugen an.

„Wölfe“, sagte Ted und blickte den Reiter an, der von der nördlichen Seite der Wagenburg gekommen war. „Schnell, reiten Sie zu den Männern! — Sagen Sie, es sind Wölfe, die eine Büffelkuh verfolgen, weiter nichts!“

Unsicher blickte der Mann auf Stone.

„Nun reiten Sie schon!“, herrschte Ted den Mann an.

„Jaja, bin ja schon unterwegs!“ Der Mann zog sein Pferd herum und sprengte den Wagen entgegen. „Nicht schießen, ich bin’s, Hooker!“, schrie er.

Ted blickte nach Norden. Das Poltern war so nahe gekommen, dass er kaum begriff, wieso er noch nichts sah.

„Hoffentlich täuschen Sie sich nicht“, knurrte Stone.

Das Kläffen der Steppenwölfe war schon nicht mehr zu überhören.

Dann tauchte die gewaltige Büffelkuh auf, kam hinter hohem Gras hervor und jagte über kargen Sandboden, beleuchtet vom silbernen Licht des Mondes. Weit war die Büffelkuh noch nicht gekommen, da schoss auch das Wolfsrudel aus dem Büffelgras und folgte der Kuh.

„Still!“, schimpfte Stone.

Die Büffelkuh verschwand im wogenden Gras, tauchte erneut auf und verschwand abermals, dass es schon fast wie ein Spuk wirkte. Das Wolfsrudel schien dem gehetzten und sicher kranken Tier immer näher zu kommen, aber bevor die Steppenwölfe über die Kuh herfallen konnten, verschwand das Tier vollends aus dem Blickwinkel der beiden Männer.

Knurrend beruhigten sich die Hunde.

Aus der Ferne kam das Donnern der Hufe und das Kläffen der Wölfe, sank zu einem Flüstern herab und verklang allmählich.

„Ein kranker Büffel, der mit der Herde nicht mehr Schritt halten konnte“, sagte Ted an Stone gewandt.

„Seltsam.“

„Was ist daran seltsam? Die kranken Wölfe werden von ihrem Rudel auch zurückgelassen. — Das soll es übrigens auch bei Weißen geben.“

„Jetzt halten Sie aber die Luft an!“

„Ich red doch nicht von Ihnen.“ Ted lächelte Stone an. „Jemand hat mir erzählt, Sie seien in einer Waggonfabrik in Pittsburgh gewesen und als Rädelsführer einer verbotenen Organisation verhaftet worden. — Ist das wahr?“ Stones Gesicht schien kantiger zu werden. In seine Augen trat ein kaltes Strahlen. „Wer hat das gesagt?“

„Ist doch egal.“

„Ja, vielleicht. Passt Ihnen daran was nicht, dass sich die Arbeiter zusammenschließen?“

„Ich hab darüber nie nachgedacht“, sagte Ted. „Ich kenne die Verhältnisse in den Fabriken nicht.“

„Die sollten Sie aber kennen, wenn Sie darüber reden!“, schimpfte der Mann aufgebracht. „Wir sind ausgebeutet worden. Wir hatten Kessel, die wurden unzulässig unter Druck gesetzt, dass sie zerplatzten, und Dutzende Männer so verbrüht wurden, dass sie starben. — Man hat unsere Kinder arbeiten lassen — zehn, zwölf Stunden am Tag.“

„Das hätten Sie doch unterbinden können, Stone!“

„Natürlich. Dann hätten wir mit zusehen müssen, wie die Kinder verhungern. Oder denken Sie, in den Fabriken wird so viel verdient, dass eine Familie davon satt werden kann? — Wir wollten eine Organisation gründen, wollten die Gefahren, die Folgen der Habgier der Fabrikbesitzer abschaffen und gerechten Lohn haben. Aber die Millionäre haben die Polizei in der Hand und bestimmen, wer Sheriff wird und wer nicht. Der Sheriff von Pittsburgh war ein Mann der Millionäre. — Und wir lebten in der Einbildung, wir wären stärker als seine Polizei. — Deshalb wurde ich verhaftet, Catto, nun wissen Sie es!“

„Entschuldigen Sie, Stone“, murmelte Ted gepresst. „Ich hatte davon keine Ahnung. — Hat man Sie lange festgehalten?“

„Nein. — Ich fand einen Richter, den sie offenbar noch nicht gekauft hatten. — Die Unruhen hatten auch derart zugenommen, dass sie nicht noch mehr böses Blut machen wollten. Vielleicht hat er auch daran gedacht, dass bei dem ersten Zusammenstoß mit der Polizei mein Sohn ...“ Stone brach ab und schüttelte den Kopf. „Das wird Sie nicht interessieren.“

Ted hatte den Kopf eingezogen. „Sie haben einen Sohn? Davon wusste ich nichts, Stone,“

„Ich hatte einen Sohn“, sagte der Mann. „Er ist erschossen worden. Von der militanten Polizei der Kapitalisten. Wir hatten nicht ein einziges Gewehr, aber die haben doch auf uns geschossen. Mein Sohn war zwanzig, als er starb.“