Krimi Doppelband 76 - Ein Privatdetektiv und ein Kommissar ermitteln!

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Alfred Bekker, Cedric Balmore

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Inhaltsverzeichnis

  Krimi Doppelband 76 - Ein Privatdetektiv und ein Kommissar ermitteln!

  Copyright

  Duell mit dem Henker

  Kommissar Tegeler und die Selbstgerechten: Kriminalroman

Krimi Doppelband 76 - Ein Privatdetektiv und ein Kommissar ermitteln!
Alfred Bekker, Cedric Balmore

Dieser Band enthält folgende Krimis:

Duell mit dem Henker (Cedric Balmore)

Kommissar Tegeler und die Selbstgerechten (Alfred Bekker)

Die Kriminalkommissare Ortwin Tegeler und Ludwig Härtl sind bei der Sondereinsatzgruppe der Bundespolizei in München beschäftigt. Doch dann werden beide zu einem Einsatz nach Berlin geschickt. Während Ludwig Härtl ganz offiziell dort als Ermittler auftritt, bekommt Tegeler eine neue Identität, um verdeckt arbeiten zu können. Der Mord an zwei Kriminalbeamten soll aufgeklärt werden, die einer Gruppe auf der Spur waren, die sich ,Justice Warriors‘ nennen. Da der Verdacht naheliegt, dass auch Kriminalbeamte des BKA involviert sind, ist äußerste Vorsicht geboten …

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author / COVER FIRUZ ASKIN

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

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Duell mit dem Henker

Ein Jack Braden Thriller

von Cedric Balmore

Der Umfang dieses Buchs entspricht 120 Taschenbuchseiten.

Der bekannte und beliebte Fernsehstar Arthur Selby wird ermordet. In Verdacht gerät sein ehemaliger Chauffeur Paul Reeder, der auf die schiefe Bahn geraten ist. Doch es stellt sich heraus, dass er ein Alibi hat. Jack Braden wird vor ein enormes Rätsel gestellt, dessen Auflösung nicht nur den Privatdetektiv in die Irre führt.

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Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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Die Hauptpersonen des Romans:

Paul Reeder – hat ein Alibi, aber das kostet 2 Jahre Zuchthaus

Mabel Reeder – hält treu zu ihrem Paul

Sarah Hickman – erlebt eine interessante Nacht

Lionel Corbett – ist ständig betrunken

Hood Flynn – sieht die Dinge nüchtern

Marc Sullivan – soll auf den elektrischen Stuhl

Anthony Gilford – ist dagegen

George Patterson – langweilt sich

Dawn Barris – sieht besonders reizend aus, wenn sie wütend ist

und Jack Braden – kommt dahinter

1

Der Mann, der beschlossen hatte, Arthur Selby zu töten, wusste genau, wie hoch sein Risiko war.

Der Einsatz war das eigene Leben. Das wusste der Mann.

Wenn der Mörder Arthur Selbys gefasst wurde, dann war ihm der Elektrische Stuhl sicher. Das stand von vornherein fest, daran konnten die geriebensten Anwälte nichts ändern.

Denn Arthur Selby war nicht irgendwer.

Ein Schrei der Empörung würde durch das ganze Land gehen, vom Atlantik bis zum Pazifik. Die Nation würde den Kopf des Mörders fordern. Und kein Richter, kein Staatsanwalt würde sich dieser Forderung entziehen.

Mildernde Umstände?

No, Sir!

Nicht für Selbys Mörder!

Arthur Selby galt als Verkörperung alles Guten und Edlen! Selbstlos, mutig bis zur Tollkühnheit und dennoch besonnen, ein Kämpfer für Recht und Gerechtigkeit, ein Kerl aus Granit, gleichwohl aber ein Mensch mit einem gütigen, lauteren Herzen – das war Arthur Selby, wie die Nation ihn kannte und liebte.

Jedenfalls die große Masse, die überwiegende Mehrheit der Nation.

Seit drei Jahren lief die Fernsehserie. Seit drei Jahren war Selby das Idol aller Backfische zwischen siebzehn und siebzig – vor allem weiblicher, aber auch männlicher. Und seit drei Jahren hatten rührige Manager der Nation eingeredet, der Privatmann Arthur Selby sei genauso edel und gut wie der unübertroffene, unübertreffliche Held der inzwischen rund achtzig Fernsehfilme.

Selby bezog astronomische Gagen. Doch wenn man den Werbetrommlern glauben durfte, dann behielt er nur einen Bruchteil für sich selber, nur so viel, wie er brauchte, um in bescheidenem Wohlstand zu leben. Alles andere floss der Alice-Baker-Stiftung zu.

Alice Baker war Selbys Frau gewesen, sieben Monate lang. Die Nation hatte die beiden miteinander verkuppelt – man kann es kaum anders bezeichnen.

Alice war der weibliche Star einer früheren Fernsehserie gewesen, und die Nation hatte gefunden, dass Arthur Selby und sie füreinander geschaffen waren.

Die Trauungszeremonie war über nahezu alle Fernsehstationen gegangen, und fast die ganze Nation hatte innigen Anteil genommen.

Sieben Monate später war dann das Unfassbare geschehen, war Alice Baker-Selby tödlich verunglückt. Am Steuer ihres Sportwagens.

Und wieder hatte die Nation innigen Anteil genommen.

Am Tage nach der Bestattung aber war Arthur Selby spurlos verschwunden. Erst ein volles Jahr später hatte ihn ein findiger Reporter aufgespürt: Er lebte als Fischer und Jäger in einem Blockhaus in der kanadischen Wildnis. Ein Mann, der Millionen verdient hatte und weitere Millionen hätte verdienen können, dieser Mann war in die Wildnis gegangen, hatte alles hinter sich gelassen, lebte nur noch dem Andenken seiner verstorbenen Frau.

War Arthur Selby bis dahin nur ein Star gewesen – ein Spitzenstar unter zwei Dutzend anderen Spitzenstars – von nun an war er mehr. Die Nation, tief beeindruckt, hatte ihn vorher vergöttert, aber nun verehrte sie ihn.

Noch ein weiteres Jahr verstrich, ehe sich Selby – allem Vernehmen nach nur widerwillig – bereitfand, wieder vor die Fernsehkameras zu treten. Und das war nun wiederum drei Jahre her. Siebzig Folgen der neuen Serie waren seither über die Bildschirme geflimmert, und niemals hatte der Held auch nur mit einem weiblichen Wesen geflirtet. Das, so hieß es, habe er den Drehbuchautoren ausdrücklich abverlangt. Er fühle sich immer noch an Alice gebunden, und er werde nie aufhören, sich an Alice gebunden zu fühlen.

Die Nation fühlte mit!

Noch ehe Selby den neuen Vertrag unterschrieben hatte, war der Grundstein für das Waisenhaus gelegt worden: die Alice-Baker-Stiftung.

Dies also war der Arthur Selby von heute: ein glänzend aussehender Mann um die Vierzig herum, auf den Bildschirmen einen innerlich einsamen Strafverteidiger darstellend, der der Justiz am Fließband zu Unrecht angeklagte Opfer entriss, von Tragik umwittert, auf dem Bildschirm und im Privatleben.

 

Beides deckte sich ohnehin, wenigstens in den Augen der meisten.

Ein Mensch obendrein, der sich selber nur einen bescheidenen Lebensstandard zumaß und im Übrigen ausschließlich für die Waisen arbeitete.

Edel, gütig und selbstlos!

O ja! Der Mann, der beschlossen hatte, Arthur Selby zu töten, kannte sein Risiko. Niemand würde ihm glauben, dass Selby alles andere als ein edler Mensch war.

Niemand würde ihm glauben, dass Selby Alice Baker ermordet hatte.

Schon diesen Verdacht laut werden zu lassen, lief auf ein Sakrileg hinaus.

Wenn ich gefasst werde, grübelte der Mann, dann ist mir der Stuhl sicher, was auch immer ich sagen und Vorbringen mag. Der Stuhl – wenn ich Glück habe. Gut möglich aber auch, dass ich schon vorher gelyncht werde.

Dahingestellt, inwieweit diese Überlegungen richtig waren – der Mann dachte so und nicht anders. Das allein zählte.

Er war davon überzeugt, dass die ganze Nation Selbys Mörder jagen würde: jeder leidlich erwachsene Yankee ein Detektiv.

Die Nation würde keine Ruhe geben, bis Arthur Selbys Mörder gefasst war. Nicht nach Wochen, nicht nach Monaten, nicht nach Jahren.

Wenn ich überhaupt eine Chance haben will, so überlegte der Mann, dann muss ich der Nation den Mörder liefern, muss ich es so einrichten, dass ein anderer als vermeintlicher Mörder „überführt“ und verurteilt wird. Nur wenn mir das gelingt, werde ich ungeschoren bleiben. Im anderen Fall dürfte ich niemals sicher sein, nicht doch noch gefasst zu werden, nach Jahren oder gar nach Jahrzehnten. Eben weil die Nation keine Ruhe geben wird!

Das war der Ausgangspunkt. Die Grundkonzeption.

Wie die Idee in die Tat umzusetzen war, darüber dachte der Mann monatelang nach. Und dann brauchte er noch einmal viele Monate, um alles vorzubereiten, um die falsche Fährte zu legen, um die Minen einzubauen, die nach der Tat hochgehen sollten …

Laut Polizeibericht starb Arthur Selby in der Nacht vom 12. auf den 13. März. Der 13. war ein Freitag. Und wahrscheinlich überlebte Selby die ersten Stunden dieses Freitags noch.

Aber wir wollen nicht vorgreifen.

Selby starb in seinem Landhaus am Hudson River, nördlich von Irvington. In derselben Nacht hatte eine gewisse Sarah Hickman das Erlebnis ihres bis dahin reichlich eintönigen Daseins.

Sarah Hickman war kein Ausbund an Schönheit. Sie hatte ein sogenanntes Pferdegebiss, ihr fliehendes Kinn war endlos lang und die Stirn turmhoch.

Als Kind und als junges Mädchen war sie deshalb sehr unglücklich gewesen und entsprechend gehemmt, aber nun, nahezu vierzig geworden, trug sie ihr Los mit Gleichmut und Gelassenheit, jedenfalls nach außen hin.

Mit knapp dreißig war sie geheiratet worden, wobei sie sich keinerlei Illusionen hingegeben hatte: Martin Hickman hatte nicht sie gewollt, sondern ihr Geld.

Aber Hickman war der einzige Bewerber gewesen, der selber Geld gehabt hatte. Also hatte sie sich heiraten lassen, in der Hoffnung auf Kinder und damit auf ein erfülltes Leben.

Kinder waren ausgeblieben. Das lag an ihr, hatten mehrere Ärzte versichert.

Martin Hickman war vor fünf Jahren verstorben, seither war Sarah Hickman so gut wie ständig auf Reisen. Weshalb eigentlich, wusste sie wahrscheinlich selbst nicht, sie langweilte sich in Paris so wie in New York, in St. Tropez ebenso wie auf den Bermudas oder wo auch sonst immer.

Sie schlug einfach die Zeit tot, das war alles.

Trotz ihres Pferdegesichts hätte sie jederzeit wieder heiraten können. In jedem der internationalen Hotels, in denen sie Stammgast war, saßen etliche fragwürdige Figuren herum, die nach reichen Witwen Ausschau hielten, ganz egal, wie die aussahen.

Es soll nicht behauptet werden, dass sich Sarah niemals hatte einwickeln lassen. Hier und da schon. Für einige Wochen. Aber es war doch immer nur bei belanglosen Episoden geblieben.

Zur Zeit wohnte sie im „Majestic“, einem neu errichteten Sporthotel an der Sandy Hook Bay.

Irgendwo hatte sie von der Neueröffnung gelesen und war eben hingefahren. Nur so.

Schon am zweiten Tag hatte sie Max Hoover kennen gelernt. Das heißt, Hoover hatte ihre Bekanntschaft gesucht – auf die übliche Weise.

Unüblich war nur, dass dieser Mann ihr gefiel.

Genau genommen hatten ihr im Lauf der Jahre eine ganze Reihe von Männern gefallen, aber sie hatte doch nie vergessen, dass sie nur hinter ihrem Geld her waren.

Von Hoover glaubte sie das auch zu wissen, aber es störte sie nicht übermäßig. Sein Charme war bestrickend, sein jungenhaftes Lachen ansteckend. Und was das sympathischste war: Er machte gar kein Hehl daraus, dass er ein atmender Teufel war.

„Ich bin ziemlich down, Sarah!“ Beim Frühstück hatten sie einander kennengelernt, und schon beim Dinner nannte er sie beim Vornamen. Sie hatte nichts dagegen. „Ich hatte ein Geschäft, Früchte Im- und Export. Es gab einige Rückschläge. Ich habe Kredite aufgenommen und – na, immer so weiter. Es kam zum Konkurs. Ich schulde meinen Gläubigern eine beträchtliche Stange Geld. Mehr, als ich durch Arbeit je erwerben könnte. Um ganz offen zu sein, ich bin hierher gekommen, in der Hoffnung, mich durch eine reiche Heirat zu sanieren.“

„Sie sind aber verdammt offen!“, sagte Sarah drastisch.

Hoover lächelte fein. Resignierend und unendlich sympathisch, fand Sarah.

„Ich weiß, wer Sie sind. Ich habe mich nach Ihnen erkundigt, ehe ich mich zu Ihnen setzte. Ich hatte tatsächlich keine andere Absicht, als die, Sie … nun ja … Aber“, er breitete die Hände aus, „aber ich habe mich wohl überschätzt.“

Sarah war das Misstrauen selber. Vorsicht!, mahnte sie sich, das ist ein ganz abgefeimter Halunke, der reist eine ganz raffinierte Tour. Schicke ihn weg. Jetzt sofort.

Aber sie schickte ihn nicht fort. Im Gegenteil. Sie verabredete sich mit ihm für den nächsten Morgen im Hallenbad des Hotels.

Denn sie wusste, dass nur ihr Gesicht unhübsch war; dass ihre Figur aber noch auf jedem Laufsteg bestehen konnte.

Sie trug einen spärlichen Bikini, und es machte ihr Freude, sich Hoover so zu zeigen.

„Donnerwetter!“, sagte er in seiner entwaffnend offenen Art.

Sie spürte, dass sie rot wurde wie ein ganz junges Ding. Das war ihr seit Jahren nicht mehr passiert.

Übrigens sah auch er prachtvoll aus. Schmal in der Taille, aber breit in den Schultern. Muskulös. Ein Bild von einem Mann.

Abends, nach dem Dinner, saßen sie in der Bar.

„Wie hoch sind Ihre Schulden, Max?“, fragte Sarah.

Sie hatte sich vorgenommen, genau das auf gar keinen Fall zu fragen – nicht heute und nicht morgen und nicht während der nächsten Wochen, aber sie fragte es dennoch, ungeachtet der Tatsache, dass sie ihn nach wie vor für einen besonders ausgekochten Glücksritter hielt.

Er schüttelte den Kopf.

„Das ist doch ganz unwichtig geworden, Sarah!“

„Unwichtig?“

„Aber ja. So, wie wir jetzt zueinander stehen, kann ich keinen Cent mehr von Ihnen annehmen.“

„Wie viel?“ beharrte sie.

„Siebzigtausend“, sagte er wegwerfend. „Aber das interessiert nun nicht mehr.“

Siebzigtausend! Nicht gerade eine Bagatelle für Sarah, aber doch eine Summe, die sie ohne Weiteres entbehren konnte, ohne ihre Einkünfte – Dividenden und Zinsen – empfindlich zu verringern.

„Interessiert nun nicht mehr? Das verstehe ich nicht.“

Sie verstand es sehr gut. Aber sie wollte es nicht verstehen.

Seine gepflegten Finger berührten zart und sanft ihre Hände.

„Ich werde abreisen!“, sagte er. „Morgen früh! Solange ich noch die Kraft habe, das Gespinst zwischen Ihnen und mir zu lösen. Wenn ich Sie unter anderen Umständen kennengelernt hätte … Aber so!“

„Nehmen Sie mein Geld doch nicht so wichtig, Max!“

„Es ist wichtig!“, sagte er schroff. „Machen wir uns doch nichts vor, Sarah, wir sind doch keine Kinder mehr! Nehmen wir an, wir heirateten. Wie lange würde es gut gehen? Ein Jahr? Zwei Jahre? Drei, wenn es hochkommt? – Ihr Geld mag jetzt nicht wichtig sein, aber auf die Dauer? Sie und ich, Sarah, wir kennen doch das Leben. Wir müssten Engel sein, wenn die Ehe nicht früher oder später an dem Geld scheitern würde. – Mein Geld! – Ja, dein verdammtes Geld, ich wollte, du ersticktest daran! – Man kennt das doch. Ich hab’ nicht das Zeug zum Prinzgemahl! Früher oder später würde es die Hölle sein, und das wissen Sie, Sarah!“

Er hatte recht. So und nicht anders würde es kommen. Vielleicht bald, vielleicht nicht so bald, aber früher oder später gewiss.

„Ich werde morgen früh abreisen!“, wiederholte er. „Aber vorher … Sarah!“, sagte er leise und werbend. „Wir sollten uns etwas Unverlierbares schaffen: die unauslöschliche Erinnerung an eine gemeinsame Nacht. An diese Nacht.“

Es wurde Sarah schwer, nein zu sagen. Sehr schwer. Wenn sie dennoch den Kopf schüttelte, dann einzig und allein, weil sie fürchtete, sie könne sich ein für allemal an diesen Mann verlieren.

2

Das Girl in der Telefonzentrale des Majestic hieß Cindy Gray.

Es war kurz vor neun Uhr abends, als sie den Anruf entgegennahm, den sie bis heute nicht vergessen hat und auch niemals vergessen dürfte.

„Majestic Hotel!“, meldete sich Cindy mit routiniert-unverbindlicher Höflichkeit. „Guten Abend!“

„Guten Abend!“, kam die unverwechselbare Stimme aus der Membran. „Nach meinen Informationen soll unter Ihren Gästen ein Mr. Paul Reeder sein. R e e d e r. Würden Sie ihm bitte ausrichten lassen, er möchte Irvington Nr. 47 30 an rufen.“

„Mr. Selby!“, hauchte Cindy, die Arthur Selbys Stimme so gut kannte wie die ihres eigenen Vaters. Sie vergaß, dass sie als Telefonistin keine Person, sondern nur eine Funktion zu sein hatte. „Arthur Selby!“, japste sie. „Liebe Güte, ich werde verrückt!“

„Ich bin sehr in Eile!“, sagte Selby nachsichtig gütig. „Bitte, richten Sie aus, worum ich Sie gebeten habe. Mr. Paul Reeder. Irvington 47 30. – Ich danke, Ihnen!“

Und das Freizeichen tutete.

Cindy legte die Hände in den Schoß, atmete tief und beglückt: Sie hatte mit dem großen Arthur Selby gesprochen.

Erst nachdem sie die Seligkeit eine Weile ausgekostet hatte, ging sie die Zimmerliste durch.

Im Majestic wohnte kein Mr. Paul Reeder. Was natürlich nicht ausschloss, dass er in der Halle, im Restaurant, im Speisesaal oder in der Bar saß.

Cindy läutete nach einem Pagen, dem sie das große Ereignis erst lang und breit schilderte, obwohl es eigentlich herzlich wenig zu schildern gab.

Sie wäre erstickt, wenn sie die große Neuigkeit nicht sofort hätte erzählen dürfen – ganz egal, wem.

Der Page ging zum Portier. Und der Portier säuselte vornehm gedämpft in ein Mikrophon, dass Mr. Paul Reeder zur Rezeption gebeten werde.

Lautsprecher berieselten alle in Betracht kommenden Räume.

3

Hoover beugte sich Sarahs Entscheidung, ohne auch nur den Versuch zu machen, sie umzustimmen.

„Es ist wohl am richtigsten“, sagte er leise, wenn wir uns gleich jetzt trennen.“

Sarah senkte den Kopf und sagte nichts.

Von irgendwoher kam ein knackendes Geräusch.

„Attention, please!“, ließ sich die Stimme des Portiers aus einem unsichtbaren Lautsprecher vernehmen. „Mr. Paul Reeder wird gebeten, zur Rezeption zu kommen.“

Hoover erhob sich, aber ganz offensichtlich nicht in diesem Zusammenhang, für Sarah jedenfalls war das ganz offensichtlich.

„Madam!“, sagte er förmlich, mit einer steifen Verbeugung.

Sarahs Lippen formten ein stummes Wort.

Hoover machte hölzern kehrt und ging hoch aufgerichtet hinaus.

In der Halle blieb er ein paar Sekunden lang unschlüssig stehen, ehe er die Rezeption ansteuerte.

„Ich hätte gern meine Rechnung!“

„Selbstverständlich, Sir!“, antwortete der Portier zuvorkommend, um nach einer kleinen Pause hinzuzufügen: „Verzeihung, Sir: Sind Sie aus irgendeinem Grund unzufrieden, dass Sie so plötzlich …“

 

„O nein, es ist alles in Ordnung! Bitte, lassen Sie meine Sachen packen und meinen Wagen volltanken.“

„Sehr wohl, Sir.“

„Hat sich Mr. Reeder übrigens gemeldet?“

„Nein. Bisher nicht.“

„Nun, ich sehe ihn auch nirgends.“

„Sie kennen ihn, Sir?“

„Allerdings. Ich werde ihn wahrscheinlich noch heute Abend treffen. Kann ich ihm irgend etwas ausrichten?“

Der Portier schätzte Hoover ab. War dieser Mann vertrauenswürdig oder nicht? Er entschied für ja.

„Wenn Sie Mr. Reeder bestellen würden, dass er Irvington 47 30 anrufen möchte.“

„Aber gern!“, sagte Hoover.

Die große Uhr in der Halle zeigte 9.32 Uhr, als ihn die Drehtür nach draußen wirbelte.

Es regnete. Der Portier selber hatte Hoover nach draußen geleitet. Er blieb unter dem Vordach stehen, bis die Regenschnüre die Rücklichter des Wagens verdeckten.