Gnadenlos und eisenhart: Super Western Sammelband 4 Romane

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Gnadenlos und eisenhart: Super Western Sammelband 4 Romane

Alfred Bekker et al.

Published by Alfred Bekker, 2021.

Inhaltsverzeichnis

Title Page

Gnadenlos und eisenhart: Super Western Sammelband 4 Romane

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Der Teufel der Glass Mountains

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Ausklang

Die Rache der McCory-Brüder

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Rächer ohne Gnade

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Christopher Columbus Slaughter

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Further Reading: 10 Extra Western Januar 2020: Sammelband

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About the Publisher




Gnadenlos und eisenhart: Super Western Sammelband 4 Romane


von Alfred Bekker und Pete Hackett und Heinz Squarra

Der Umfang dieses Buches entspricht 332 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende drei Romane:

Heinz Squarra: Der Teufel der Glass Mountains

Alfred Bekker: Die Rache der McCory-Brüder

Pete Hackett: Rächer ohne Gnade

Pete Hackett: Christopher Columbus Slaughter

––––––––


Meat Sprague will die Macht in Haymond übernehmen, und dazu bricht er jede Regel. Doch in den Glass Mountains lauert jemand, der seine Verbrechen verhindern will. Aber dieser Mann scheint verrückt zu sein, denn er behauptet, vom Satan persönlich geschickt zu sein. Jim Hollister, der Texas-Ranger hat gleich mehrere Probleme zu lösen.




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COVER FIRUZ ASKIN

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author /

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Folge auf Twitter:

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https://alfred-bekker-autor.business.site/

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Der Teufel der Glass Mountains


Western von Heinz Squarra

Der Umfang dieses Buchs entspricht 123 Taschenbuchseiten.

Meat Sprague will die Macht in Haymond übernehmen, und dazu bricht er jede Regel. Doch in den Glass Mountains lauert jemand, der seine Verbrechen verhindern will. Aber dieser Mann scheint verrückt zu sein, denn er behauptet, vom Satan persönlich geschickt zu sein. Jim Hollister, der Texas-Ranger hat gleich mehrere Probleme zu lösen.




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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

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© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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1


Eine dunkle Nacht hatte sich über den Glass Mountains ausgebreitet. Beutegierige Raubvögel kreischten, und Schakale heulten ihre schaurigen Melodien in die Finsternis des wild zerklüfteten Berglandes.

Doch plötzlich wurde es still. Mit schnellem Flügelschlag zogen die Vögel davon, und die Schakale ließen einen letzten, langanhaltenden Heulton hören, dann flohen sie aus dem Big Canyon und verschwanden über Berggrate und Geröllhalden.

Eine Weile hielt diese Stille an, dann war leiser Hufschlag zu hören und das dumpfe Holpern von Rädern, die über den harten Schluchtboden rollten. Eine Peitsche schnitt knallend durch die Nacht und ein ermunternder Zuruf trieb die Pferde zu größerer Eile an Um eine Kante schoss ein großer Frachtwagen, auf den anstelle eines Wagenkastens zwei stattliche Fässer montiert waren. Dieser Wagen fegte jetzt in eine Erweiterung des Weges. Funken stoben von den Hufen auf. Wieder ein heiserer Zuruf des Fahrers – und plötzlich ein pfeifender Schuss, dessen Echo sich vielfach an den steilen Felswänden brach.

Mort Stendal, der Fahrer, saß einen Moment wie erstarrt auf dem Bock. Dann aber schwang er die Peitsche.

„Lauft ihr müden Böcke!“, rief er. „Lauft! Teufel, man hat es auf unserem Whisky abgesehen!“

Die Mustangs stemmten sich in die Geschirre, aber es war zu spät für den Whisky in den beiden Fässern. Eine wilde Serie von Schüssen folgte der ersten Detonation. Die Kugeln knallten in die Fässer und zersägten diese regelrecht. In wahren Strömen floss der Whisky über den Schluchtboden und verlor sich in winzigen Spalten.

Mort Stendal, der wohl bemerkt haben musste, dass es noch nicht an sein Leben ging, riss an den Zügeln und stoppte den Wagen. Er angelte seine Winchester aus dem seitlich befestigtem Scabbard, löschte die Wagenlampe und schoss auf die Stelle, von der das Mündungsfeuer aufgeblitzt war. Seine Kugeln winselten durch den Canyon, schrammten gegen die Felsen und stiegen quarrend zum Himmel. Er feuerte, bis kein Schuss mehr im Magazin steckte.

Dann wurde es gespenstisch ruhig, nur hinter Mort Stendal plätscherte der Whisky aus den Fässern. Es waren so große Löcher, dass an ein Verstopfen nicht zu denken war, und dazu saßen sie so tief, dass kaum eine Gallone des kostbaren Stoffes übrigbleiben würde.

Ein ellenlanger Fluch des Kutschers rollte durch den Hohlweg.

Und dann klang plötzlich ein irres Lachen auf. Es schien von rechts aus der Wand zu kommen, während der heimtückische Schütze links stehen musste. Doch es konnte auch ein Irrtum sein, denn das Echo hallte von allen Seiten wider.

Mort Stendal wurde es unheimlich. Ein kalter Schauer lief seine Wirbelsäule hinunter. So konnte nur ein Verrückter lachen.

 

Dann klang Hufschlag auf. Der Irre floh auf einem schnellen Pferde.

Mort Stendal saß noch drei Minuten wie festgenagelt auf dem Bock. Dann schwang er sich hinunter, brannte mit zitternden Fingern die Bordlampe wieder an und sah nach den Fässern. Noch immer lief der Whisky auf den Boden. Die Einschüsse lagen dicht beieinander. Es war wirklich nichts zu retten. Da schwang er sich wieder hinauf und nahm die Zügel auf. Die Peitsche knallte durch die Luft, und die Mustangs zogen an. Mort Stendal war es, als sitze eine kalte Hand in seinem Genick, und das trieb ihn zu großer Eile an.

Kaum hatte der Frachtwagen die Stelle des Überfalls jedoch verlassen, da kam die schattenhafte Gestalt zurück. Sie hielt am Rande des Weges, wo ein kaum sichtbarer Pfad in die Berge führte.

Der Mann saß zusammengesunken im Sattel eines knochigen Grauschimmels.

„Er hat sich eingebildet, wir wären vor ihm geflohen, Alter“, sagte der Mann kichernd zu seinem Pferd, das die Zähne bleckte. „Dieser alte Narr!“

Und dann hallte sein grausiges Gelächter wieder durch den Canyon.

Plötzlich hob der Mann ruckartig seinen spitzen Kopf und lauschte in die Nacht hinein.

„Hörte ich nicht etwas?“

Da rollte ein winziger Stein über den Weg, wahrscheinlich vom Huf eines Pferdes gestoßen.

Sofort riss der Mann seinen Grauschimmel herum und entfloh.

Über den Weg hetzte ein zweiter Reiter, der sich tief über den Hals seines Pferdes beugte.

Dieser Mann war Texas-Ranger Jim Hollister. Seit fünf Tagen lag er im Canyon auf der Lauer. Oft schon hatte er den Wahnsinnigen verfolgt, aber noch nie war er ihm so nahe gewesen wie jetzt.

Der Rotfuchs unter dem Ranger streckte sich zu gewaltigem Lauf und raste in den Spalt hinein, in dem der Irre eben verschwunden war. Laut donnerten die Hufe über den Boden. Jim glaubte den Mann vor sich zu sehen, doch plötzlich war die Gestalt wie ein Schemen verschwunden.

Jim riss an den Zügeln und brachte sein Pferd zum Stehen.

„Wo sind Sie!“, rief er.

Eine Zeitlang blieb es still, dann dröhnte von rechts oben das verrückte Gelächter zu ihm herunter.

„Fang mich doch, ich bin der Frühling! Hihi!“

Der Ranger war keineswegs schreckhaft. Er drehte den Rotfuchs sofort und trieb ihn in die Geröllhalde hinauf.

Doch als er die Höhe erreichte, war der Mann verschwunden. Eines stand für Jim fest, der Kerl kannte diese Berge wie seine Westentasche.

Jetzt lachte der Bursche wieder. Diesmal kam es von links.

Jim drehte den Rotfuchs, aber das Tier schnaubte ängstlich. Dicht vor den Vorderhufen des Pferdes tat sich ein schwindelnder Abgrund auf.

In dieser Minute brach der Mond silbern durch die Wolkendecke und übergoss die raue Bergeinsamkeit mit seinem milchigen Schein.

Kaum fünf Meter von sich entfernt sah Jim den Verrückten. Der Mann befand sich auf der anderen Seite des Abgrundes und blickte zu ihm herüber.

„Ich könnte dich abschießen“, sagte der Mann. Seine Stimme schien aus der Tiefe einer Höhle zu kommen. „Doch ich schieße nur auf bestimmte Dinge. Haha, was willst du von mir?“

Jim Hollister hatte den Wahnsinnigen noch nie gesehen. Jetzt blickte er hinüber und studierte ihn Zug für Zug. Der Mann trug keinen Hut. Er hatte schlohweißes Haar, das im Mondlicht leicht glitzerte. Sein Gesicht war eingefallen, als wäre er schon lange tot. Im Schein des Mondes wirkte es wie Leder. Die Schultern waren nicht sehr breit und hingen nach unten. Die ganze Gestalt sah klapperdürr aus. Unheimlich aber wirkten die Augen. Wie glühende Kohlen starrten sie dem Ranger entgegen. Der Mann war ganz ohne Zweifel verrückt.

„Auch ich könnte auf dich schießen“, sagte Jim langsam. „Doch ich will mit dir sprechen, Freund. Komm wieder herüber, du kennst ja den Weg.“

Der Mann lachte irr und tippte bezeichnend an seine Stirn.

„Ich bin das Schreckgespenst der Glass Mountains. Mit mir gibt es nichts zu besprechen.“

Jim blickte nach rechts. Wenige Meter entfernt war die Spalte zu Ende. Dort musste der Wahnsinnige auf die andere Seite hinüber sein.

In diesem Moment schob sich ein Wolkenfeld vor den Mond. Es war so stockdunkel wie vorher. Jim warf den Kopf herum. Er sah gerade noch, wie der Verrückte drüben sein Pferd drehte und in der Nacht verschwand.

Jim zog seinen Colt und feuerte drei Schüsse hoch über den Kopf des Irren dahin. In den nächsten Minuten musste er jedoch einsehen, dass der Mann damit nicht aufzuhalten war. Er lachte nur so irr und hohl wie vorher. Dann war er verschwunden.

Jim Hollister saß im Sattel und starrte in die Nacht hinein. Er stand vor der Frage, ob der Mann wirklich verrückt war oder ob er nur markierte. Die Augen des Geheimnisvollen sprachen für den Wahnsinn, und auch der sinnlose Überfall auf den Whiskywagen. Die verblüffende Ortskenntnis und die nahezu traumwandlerische Sicherheit des Kerls ließen aber den Verdacht aufkommen, dass er vollkommen bei Sinnen war.

Jim kam schließlich zu dem Schluss, dass der Mann zwar verrückt, sich aber in verschiedenen Dingen Klarheit bewahrt hatte.

Der Ranger lenkte sein Pferd nach rechts hinüber und umging die gefährliche Stelle. Er fand auf der anderen Seite eine abfallende Bergschulter, die der Bursche hinuntergeritten sein musste.

Drei Stunden suchte der Ranger noch durch die Berge, dann gab er es auf. Der Irre war ihm entkommen. Und nun war er sicher auch gewarnt.

Jim lenkte den Rotfuchs in den Big Canyon zurück und schlug den Weg nach Haymond ein. Diese Bergschlucht war die Verbindung zwischen Haymond und Sheffield. Und wer nicht einen Umweg von mehr als fünfzig Meilen in Kauf nehmen wollte, der musste durch den Canyon. Hier aber machte der Wahnsinnige die Gegend unsicher. Schon dreimal waren Frachtwagen von ihm angefallen und beschossen worden. Gleich der erste Überfall hatte den Kutscher in die Flucht getrieben. Der Mann war von dem irren Gelächter wie vor einem Rudel hungriger Wölfe geflohen. Er war nach Haymond gekommen, und dort wurde er ausgelacht. Sheriff Carnes ritt schließlich mit einem Aufgebot heraus und fand den Wagen verlassen im Canyon stehen. Ein paar kleine Fässer waren zerschossen gewesen, und eine Kiste mit Brot hatte gefehlt, sonst nichts.

Die Kugellöcher aber hatten den Sheriff bedenklich gemacht. Er hielt den Fahrer zwar für einen Feigling, aber nicht für einen solchen Narren, dass er selbst seine Ladung durchlöcherte.

Und dann kam der zweite Angriff auf einen Frachtwagen. Bei diesem Überfall behielt der Fahrer die Nerven. Er hieb wie verrückt auf die Pferde ein und konnte entkommen. Lediglich eine kleine Kiste Dynamit fiel von der Ladefläche.

Diese kleine Kiste fiel jedoch kaum vier Tage später von einem Berggrat auf den dritten Wagen, und an ihr brannte die Lunte.

Von diesem Wagen blieben nur Fetzen. Der Fahrer hatte das Glimmen der Schnur gesehen und konnte rechtzeitig in einer Höhle verschwinden. Er kam mit ein paar Kratzern davon.

Um diese Zeit befand sich Jim Hollister in der Nähe. Er hörte von der Sache, und da er ohnehin durch Haymond musste, machte er bei Sheriff Carnes Station und meldete die seltsame Geschichte an sein Hauptquartier nach Austin. Der Fall wurde ihm sofort übertragen.

Und nun hatte er fünf Tage auf der Lauer gelegen. Zweimal war die Postkutsche an ihm vorübergerollt, ohne dass etwas geschah. Jim wollte schon aufgeben. Doch der Whiskywagen musste kommen, und auf den wollte er warten. Nun, er hatte gewartet, hatte die Schüsse gehört und schließlich den Wahnsinnigen gesehen. Der kalte Glanz in den Augen des Verrückten konnte einen harten Mann in die Flucht schlagen, darüber gab es keinen Zweifel. Der Ranger konnte den ersten Frachtfahrer nun schon eher verstehen, der sich hartnäckig weigerte, mit seinem Gespann den Canyon noch einmal zu befahren.

Und während er jetzt auf Haymond zuritt, da musste sich Jim eingestehen, dass er eigentlich nichts gewonnen hatte. Er wusste nur, dass der Kerl in den Bergen hauste und diese genau kannte. Mehr nicht.




2


Haymond, nur wenige Meilen von den Glass Mountains entfernt, war eine kleine, aber sehr turbulente Stadt. Zum Teil mochte es daran liegen, dass die Grenze nicht sehr weit war, zum Teil vielleicht auch an der Nähe der Berge. Grenze und Berge sind Dinge, die beruhigend auf die Gemüter der gesetzlosen Elemente wirken. Und in Haymond gab es viele Gesetzlose.

Yeah, das wusste Jim schon, als er gerade einen Tag in der Stadt gewesen war.

Die Stadt selbst bestand aus etwa fünfzig Häusern und Hütten, zwischen denen ein Gewirr großer und kleiner Straßen lag. In der Mitte zog sich die sandige Frontstreet durch den Ort, an der nicht weniger als fünf Saloons lagen.

Der Ranger kam gegen zehn Uhr vormittags in die Stadt. Er lenkte sein Pferd vor das Sheriff-Office und stieg steifbeinig aus dem Sattel.

Auf der anderen Seite befand sich der Blue-Bell-Saloon. Dort stand der demolierte Frachtwagen, der nur wenig vor Jim angekommen sein konnte. Der Kutscher stand unten auf der Straße in einer Fahrrinne und blickte zum Vorbau hin, wo ein klotziger Mann mit stechenden Augen arrogant zu ihm herunterschaute.

„Du bist ein Hasenfuß!“, sagte der Mann auf der Veranda gerade rau. „Wie kann man sich nur die Fässer so zersägen lassen?“

„Ich hatte ...“

„Red kein Blech, Mort!“, donnerte der Saloonbesitzer Meat Sprague, das war der Mann unter dem Vordach, herunter. „Wenn es sich wirklich um einen einzelnen Mann handelt, dann hättest du ihn abschießen können. Ich habe dich diesmal geschickt, weil ich dachte, du wärst kein Hasenfuß. Doch du bist nicht besser als die anderen.“

„Er hat so wahnsinnig gelacht, Boss. Ah, es ging mir wie Gletscherwasser durch die Glieder. Gewiss, ich wollte ihn abschießen – aber da krähte er von der anderen Seite. Ich wette, der Kerl ist gar nicht verrückt.“

„Was denn dann?“

Neben Meat Sprague lachte ein schmaler Mann und bog sich. Dieser Bursche war groß und gipsgesichtig. Er hatte zwei schwere Colts tief an seinen Oberschenkeln hängen, die den Gurt nach unten zogen wie Bleigewichte.

Der Mann blickte jetzt zu Sprague und sagte: „Ich habe schon tolle Dinge erlebt, Boss, aber das ein Whiskywagen zur Minna gemacht wird, ohne dass irgend einer etwas davon hat, das ist mir noch nicht untergekommen. Wirklich, das kann nur ein Wahnsinniger fertigbringen. Mort, wo steckt denn das Schreckgespenst? Bring ihn mir mal. Ich werde ihm zwei hübsche Löcher in seinen verrückten Kopf fabrizieren, dann wird es ihm verteufelt schnell vergehen, anderen Leuten das Geschäft zu verderben.“

Mort Stendal atmete hart aus. Scharf blickte er den Schießer an.

„Du bist ein Ass mit den Colts, Chet Syler, das stimmt schon. Fraglich ist es aber, ob du nicht auch das Laufen lernst, wenn du an den Irren gerätst. Geh doch mal hinaus und rufe ihn. In dunklen Nächten ist er sicher zu sprechen.“

Jim stand reglos neben seinem Pferd. Zwischen den beiden Fässern hindurch konnte er den Saloonwirt und daneben den Revolvermann sehen. Der Schießer trug ein grellrotes Halstuch, das in einem peinlich sauberen, weißen Hemd steckte. Darüber hatte er eine schwarze Jacke und eine ebensolche Hose. Jim fand, dass der Mann wie die leibhaftige Drohung herumlief.

Und daneben der Wirt Meat Sprague. Er war noch größer als Syler und dazu von bärenartiger Gestalt. Auch in seinen Augen glomm eine Drohung, und unter diesem Blick wurde Mort Stendal, der vorn stand, jetzt merklich kleiner.

„Und wie denkst du über den Schaden?“, fragte der Salooner eben mit scharfer Stimme.

„Den Schaden?“

„Na klar! Es waren fünfhundert Liter Whisky. So eine Ladung reicht Monate. Bildest du dir ein, dass ich mein Geld auf der Straße finde? He, bist du so ein dummer Kerl?“

„Aber was kann ich denn dafür?“, brauste nun auch Mort Stendal auf. „Sollte ich etwa meinen Hut vor die Kugeln halten?“

„Der feige Kerl macht noch Witze“, röhrte Chet Syler. „Mort, reiß dich ein wenig zusammen, sonst hast du das letzte Mal nach Luft geschnappt. Wir haben uns doch verstanden?“

Mort Stendal musterte den Schießer ruhig.

„Ich bin hier Frachtfahrer“, sagte er hoheitsvoll. „Frachtfahrer – verstehst du? Keine Zielscheibe für Revolverschwinger!“

Chet Sylers Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. Er stieg betont lässig die Stufen herunter und ging auf den Kutscher zu. Dicht vor ihm blieb er stehen.

„Sag das noch mal, Brother!“

Mort bewegte sich keinen Zoll.

„Na los, singe schon, du Hasenfuß!“, schnaubte Syler kalt.

„Du hast mich schon richtig verstanden. Ich gehe einem ehrlichen Handwerk nach.“

Der Revolvermann lachte läppisch. „Ich nicht, wie? Sag mal, was du von mir denkst. Los, spuck es aus!“

Mort Stendal trat einen Schritt zurück. Er blickte nach rechts und links, wo die Bürger unter den Vorbauten standen und ihn neugierig, aber ein wenig besorgt entgegenschauten. Das war kein Wunder, denn Chet Syler eilte ein gefährlicher Ruf voraus. Dass der Revolvermann in Meat Spragues Diensten stand, machte ihn nicht besser. Nein, auch Sprague galt als skrupellos und gefährlich, aber um das festzustellen, brauchte man ihn nur anzusehen.

Und da sagte der klotzige Wirt: „Chet, gib ihm ein paar vor die Hörner. – Und dann scherst du dich zum Teufel, Stendal. Well, wir sind geschiedene Leute. Verziehe dich aber nicht zu weit, denn du bekommst von mir noch eine saftige Rechnung.“

Meat Sprague machte auf dem Absatz kehrt und ging in seinen Saloon. Hinter ihm klappte die halbhohe Schwingtür zu.

„Du hast es gehört“, sagte der Schießer. Er trat einen Schritt zurück und legte die Hand auf den Kolben. „Ich werde es mit dem Knaller besorgen, Stendal. Keine Angst, ich bringe dich nicht um. Nein, ich gebe dir nur einen Denkzettel, damit du weißt, wie man mit anständigen Gents spricht.“

Syler wollte ziehen, aber dazu kam er nicht.

Mit einem wütenden Schrei sprang der Kutscher vor und hieb dem Revolvermann seine tellergroße Faust ins Gesicht. Chet Syler taumelte drei Schritte zurück, trat dann in eine Furche auf der Fahrbahn und kippte über die Absätze. Er lag jetzt hinter dem Wagen, und Jim Hollister konnte ihn genau sehen.

Hasserfüllt vorzog sich das Gesicht des Schießers. Heimtückisch blitzten seine kalten Augen. Im Liegen griff er blitzschnell nach der Hüfte, riss seinen Colt heraus und legte an.

Da brüllte ein Schuss auf. Sylers Waffe flog durch die Luft und klatschte gegen die Hauswand. Der Schießer selbst zuckte zusammen wie unter einem Peitschenhieb.

Jim Hollister stand ruhig. Er blies den Rauch aus der Mündung seiner Waffe und schob sie ins Holster.

„Steh auf, Coltmann!“, befahl der Ranger. „Marschiere hinter deinem Boss her. Wenn du nochmals auf einen harmlosen Bürger anlegst, bringe ich dich ins Jail.“

Chet Syler stand schwer auf und drehte sich halb herum. Er starrte den Texas-Ranger wie einen Geist an.

„Lebst du auch noch?“, fragte er schleppend. „Wir sahen uns doch neulich schon hier in der Stadt. Hollister, ich habe dich in schlechter Erinnerung Du weißt doch, die Sache in Santa Fe.“

„Ganz richtig. Wo ich dir nicht beweisen konnte, dass du auch mit den Brüdern gemeinsame Sache machtest, die den Zug ausraubten. Lass dich besser nicht bei einer Unregelmäßigkeit erwischen, sonst wird jene Geschichte noch genauer beleuchtet. Und nun tanze ab!“

Chet Syler lachte kratzig. Er schien seinen Schreck überwunden zu haben. „Hau hier ja nicht auf die Pauke, Hollister. Überhaupt, was willst du hier?“

„Vielleicht nur ein wenig auf dich aufpassen. Aber ich sagte, du sollst gehen.“

Tatsächlich drehte sich der Revolverschwinger auf dem Absatz herum und ging die Stufen hinauf. Oben jedoch blieb er stehen und klopfte seinen Anzug ab. Dann drehte er sich zu Mort Stendal hin, der noch immer am Wagen stand, auf den die ausgelaufenen Fässer montiert waren.

„Darüber sprechen wir noch miteinander, Stendal. Glaube ja nicht, dass dir der Sternträger viel helfen kann.“

Er drehte sich um und verschwand im Saloon. Hinter ihm schwang die Tür zu.

Mort Stendal blickte den Texas-Ran er mürrisch an. Dann spuckte er in den Sand, knurrte gereizt und wandte sich ab. Langsam schritt er die Straße hinunter.

Jim blickte zur Seite. Neben ihm stand Tobe Carnes, der Sheriff von Haymond. Carnes war fünfzig Jahre alt, mittelgroß und für sein Alter recht gut erhalten. Er hatte ein rundes Gesicht, das glänzte, so rosig wie ein Spanferkel.

„Chet Syler ist gefährlich“, sagte Carnes. „Ich will Sie nicht warnen, aber ein Rat ist bei mir kostenlos.“

„Verstehe. Doch ich hatte die Ehre schon. Er ist nicht besser als andere Killer. Was macht er hier in der Stadt?“

Carnes hob die Schultern und ließ sie mit einem Ruck wieder fallen.

„Das weiß der Teufel!“, donnerte er. „Offiziell ist er Meat Spragues Leibwächter. Doch ich habe so den Verdacht, als würde er für Sprague auch noch andere Geschäfte erledigen. Der Wirt ist nicht astrein – das ist allerdings nur eine Vermutung. Ich erzähle Ihnen das ganz privat, Sie verstehen doch, nicht wahr, Hollister?“

„Yeah, ganz genau. Und wozu braucht Sprague einen Leibwächter? Ist er in Gefahr?“

Carnes zuckte wieder die Schultern. Verächtlich bogen sich seine Mundwinkel nach unten.

„Keine Ahnung. Auf jeden Fall ist er der reichste Mann in dieser Stadt. Natürlich hat er Feinde – welcher reiche Mann hat die nicht. Doch die meisten hat er sich selbst gemacht Er ist unbeherrscht und arrogant. Jetzt hat er sich um den Richterstuhl beworben. Er duldet keinen Menschen auf seiner Höhe. So ein Mann kann schon einen Aufpasser gebrauchen. Immerhin ist Haymond nicht gerade eine ruhige Stadt. Nein, wirklich nicht.“

Tobe Carnes machte eine Pause. Er blickte Jim abschätzend an, dann fuhr er fort: „Vor zwei Jahren kam ein Mann in die Stadt, der oben den Trailmann Saloon erwarb und den Store daneben. Douglas Riot hieß der Fremde. Er hatte Geschäftssinn – yeah, das hatte er. Riot arbeitete mit seinem Sohn, der damals vierzehn war, im Saloon, während seine Frau den Store hatte. Riot machte schon nach sein kurzer Zeit einen Umsatz, der Sprague bleich werden ließ. Da kamen eines nachts Reiter in die Stadt und brannten sein Haus an. Wissen Sie, was übrig blieb? Ein großer Haufen verkohltes Holz – doch so groß war der Haufen eigentlich gar nicht. Ich verfolgte die Bande mit einem Aufgebot. Wir konnten ein paar erschießen, aber lebend bekamen wir keinen.“

„Und was machte Riot?“, fragte Jim.

„Als ich wieder in der Stadt ankam, war er fort. Er hatte behauptet, dass Meat Sprague ihm die Bande auf den Hals geschickt habe. Yeah, Donnerwetter, das hat er wirklich behauptet. Fragen Sie die Männer, sie können sich noch heute erinnern. Sprague sammelte seine Knechte und jagte Riot mit seiner Familie aus der Stadt. Nichts als ein jämmerlicher Wagen war den Leuten geblieben. Davor hatten sie ein altes, ausgemergeltes Pferd. Und dazu war es Winter.“