Dreizehn Mörder: Krimi Paket 13 Romane

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Alfred Bekker

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Inhaltsverzeichnis

  Dreizehn Mörder: Krimi Paket 13 Romane

  Copyright

  Ein harter Knochen für Kubinke

  Kubinke und der eiskalte Mord

  ​Der Armbrustmörder

  Wettlauf mit dem Killer

  Die Angst verfolgt dich bis ans Ende

  Undercover Mission

  Auftrag für einen Schnüffler

  Kubinke und die Memoiren

  Ein Killer in Marseille

  Kubinke und die Katze

  Der Sniper von Berlin

  Mördertränen

  Blutige Tränen

Dreizehn Mörder: Krimi Paket 13 Romane
von Alfred Bekker

Dieser Band enthält folgende Krimis:

Alfred Bekker: Ein harter Knochen für Kubinke

Alfred Bekker: Kubinke und der eiskalte Mord

Alfred Bekker: Der Armbrustmörder

Alfred Bekker: Wettlauf mit dem Killer

Alfred Bekker: Die Angst verfolgt dich bis ans Ende

Alfred Bekker: Undercover Mission

Alfred Bekker: Auftrag für einen Schnüffler

Alfred Bekker: Kubinke und die Memoiren

Alfred Bekker: Ein Killer in Marseille

Alfred Bekker: Kubinke und die Katze

Alfred Bekker: Der Sniper von Berlin

Alfred Bekker: Mördertränen

Alfred Bekker: Blutige Tränen

Ein Scharfschütze macht in Berlin Jagd auf Angehörige des organisierten Verbrechens. Reihenweise schickt der Killer die Drogenbosse ins Jenseits. Ist das der Beginn einer großen Auseinandersetzung zwischen kriminellen libanesischen Groß-Clans und den Banden der sogenannten Balkan-Connection? Der Berliner Ermittler Harry Kubinke und sein Team versuchen, dem Morden Einhalt zu gebieten. Und Kubinke ahnt bald, dass der Killer vielleicht ein ganz anderes Motiv verfolgt, als man ursprünglich vermutete...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author / COVER MARA LAUE

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Folge auf Twitter:

https://twitter.com/BekkerAlfred

Zum Blog des Verlags geht es hier:

https://cassiopeia.press

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Ein harter Knochen für Kubinke

Ein Harry Kubinke Kriminalroman

von Alfred Bekker

Der Umfang dieses Buchs entspricht 119 Taschenbuchseiten.

Ein Großkrimineller ist vor vielen Jahren verschwunden. Dann tauchen Teile seiner Leiche plötzlich an völlig unerwarteter Stelle auf. Ein Mord innerhalb des Organisierten Verbrechens? Wer hatte ein Interesse daran, die graue Eminenz eines kriminellen Netzwerkes jahrelang zum Schein am Leben zu erhalten? Harry Kubinke und Rudi Meier vom Bundeskriminalamt ermitteln. Es bleibt nicht bei einem Toten...

Alfred Bekker ist ein bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden, Sidney Gardner, Jonas Herlin, Adrian Leschek, Jack Raymond, John Devlin, Brian Carisi, Robert Gruber und Janet Farell.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author /COVER STEVE MAYER

© dieser Ausgabe 2020 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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1

“Icke grüße dir”, sagte der Mann an der Currywurstbude. “Schön, dass die Kriminalpolizei auch mal wieder zum Essen zu mir kommt!”

“Guten Tag”, sagte ich.

“Du bist doch der Kubinke, richtig?”

“Richtig.”

“Kriminalhauptkommissar Harry Kubinke, richtig.”

“Naja...”

“Was?”

“Bin inzwischen befördert worden.”

“Wahrscheinlich für gute Arbeit!”

“Ich nehme es an.”

“Sag mal, wo ist eigentlich dein Freund geblieben?”

“Meinst du meinen Kollegen?”

“Hieß der nicht Rudi?”

“Rudi Meier. Der kommt gleich auch noch. Wir wollten uns hier treffen.“

Der Currywurst-Mann nickte. Er deutete zu dem Gebäude, das in der Nähe zu sehen war. “Das Präsidium ist doch so nahe. Warum kommt ihr in letzter Zeit so selten? Sag jetzt nicht, ihr achtet neuerdings auf die Figur oder seit Veganer geworden!”

“Nee”, sagte ich.

“Eine Veggie-Currywurst habe ich nämlich auch.”

“Nein, danke.”

“Kein Hunger auf lecker Glutamat und Geschmacksverstärker?”

“Die richtige Wurst schmeckt besser.”

“Nun sag mal, passt euch was nicht, oder warum kommt ihr in letzter Zeit so selten, dein Kommissar-Kollege Rudi und du? Ich meine, wo ich extra euretwegen hier meinen Wagen aufstelle!”

Ich lächelte “Extra unseretwegen?”

“Ja sicher!”, grinste er.

“Also das ist so: Das Präsidium da vorne, ist jetzt die Nebenstelle. Und wir haben da nicht mehr unsere Büros.”

“Ach!”

“Wir sind jetzt im Hauptpräsidium. Das ist neu gebaut worden und endlich fertig. Und seit wir befördert wurden, haben wir dort unsere Büros.”

“Ach so.”

“Aber wegen deiner Currywurst, machen wir ab und zu einen Umweg.”

“Welch eine Ehre!”, meinte der Currywurstmann.

Dann hielt ein Wagen. Mein Kollege Rudi Meier stieg aus und winkte mir zu.

Wenig später hatte auch die Currywurstbude erreicht.

“Wie immer?”, fragte der Currywurstmann.

“Wie immer”, sagte Rudi.

“Siehst du: So bin ich! Du bist schon eine Ewigkeit nicht hier gewesen und ich weiß noch, wie du die Currywurst am liebsten hast!”

“Wunderbar”, sagte Rudi. Er wirkte etwas gestresst. Wahrscheinlich hattet er irgendwas Dienstliches auf dem Herzen, was wir aber erst besprechen konnten, sobald der Currywurstmann nicht mehr zuhörte.

 

“Sag mal, was ich mich immer schonmal gefragt habe”, sagte der Currywurstmann. “Wenn ich euch das fragen darf und damit nicht zu nahe trete...”

“Wieso das denn?”, fragte ich. “Du fragst doch sonst auch einfach so, was du fragen willst - auch wenn wir dir dann leider meistens sagen müssen, dass das der Geheimhaltung unterliegt.”

“Genau”, meinte Rudi. “Einfach fragen und wir nehmen dann unser Recht auf Aussageverweigerung wahr!”

“Ja, meine Skrupel kommen deshalb: Ich hab in der Zeitung gelesen, man soll Leute nicht danach fragen, woher sie kommen.”

“Wieso nicht?”, fragte ich. “Machen wir tagtäglich! Woher kommen Sie, wo waren Sie zur Tatzeit, wohin sind Sie gegangen und so weiter.”

“Ich meine jetzt, dass man fragt, woher einer gebürtig kommt.”

“Ach so.”

“Das sei unsensibel. Der Betreffende könnte ja einen Migrationshintergrund haben und sich verletzt fühlen.”

Ich zuckte mit den Schultern. “Bin nicht sensibel veranlagt”, sagte ich. “Und Rudi auch nicht!”

Rudi konnte nichts dazu sagen, weil er den Mund voll hatte.

“Das heißt, ich kann fragen, woher ihr gebürtig kommt!”

“Na hier aus Berlin”, sagte ich. “Und Rudi auch.”

“Dachte ich mir. Obwohl man das eurer Sprache nur... so ein bisschen anhört.”

„Zwischendurch waren wir mal eine Zeit in Hamburg bei der Polizei”, sagte Rudi.

“Ihr beide zusammen?”, fragte der Currywurstmann.

“Ja”, sagte Rudi. “Mehr Migrationshintergrund haben wir beide nicht.”

“Alles ist relativ”, sagte er Currywurstmann. “Ich würde sagen: Ganz schön herumgekommen! Ich zum Beispiel könnte mir nicht vorstellen, irgendwo anders zu leben, als hier in Berlin.”

“So ist jeder eben anders”, sagte Rudi kauend.

“Ach, da ich im Augenblick ja mal die seltene Ehre habe, zwei Kriminalbeamten hier zu haben: Ich habe auch in der Zeitung von diesem Kriminellen Gangster-Boss gelesen, der spurlos verschwand und nun angeblich unter südlicher Sonne sein Leben genießt!”

“Ja, wird es leider nicht nur einen geben.”

“Ich meinen diesen Darkovic oder so ähnlich. Niko Darkovic, den alle nur den >harten Knochen< genannt haben, weil er so ein harter Kerl war. In der Zeitung steht, der ist einfach weg und betreibt seine Geschäfte aus dem Ausland weiter! Ich frage mir, wie ditte sein kann! Ihr seid doch vom Fach! Ist das nicht nicht fürchterlich? Und wenn ich meine paar Kröten an Steuern zu spät zahle, dann zieht der Staat ganz andere Seiten auf! Da wird dann genau ausgerechnet, ob ich überhaupt so und so viel Wurst und Brötchen und Curry und weiß der Geier was verbraucht haben kann und man unterstellt mir gleich, dass ich ein Betrüger bin, ich die Portionen zu groß gemacht habe! Aber so einer wie der >harte Knochen<, der genießt sein Leben und zahlt gar keine Steuern.”

“Ist doch logisch”, sagte Rudi.

“Wieso ist das logisch?”, wollte der Currywurstmann wissen.

“Na weil die Geschäfte des >harten Knochen< doch mutmaßlich illegal sind. Da kann er ja auch gar keine Steuern zahlen. Und vom Ausland aus sowieso nicht.”

“Ja, finden Sie nicht, dass da ein Fehler im System ist?”, meinte er. Die Tatsache, dass er nun begonnen hatte, uns zu siezen, bedeutete ziemlich sicher, dass er es sehr ernst meinte.

Aber für eine Grundsatzdiskussion hatten Rudi und ich im Moment keine Zeit.

2

Der Mann trug einen knielangen Ledermantel. Sein Gesicht war kantig. Unter dem linken Auge zuckte nervös ein Nerv. Am Kinn hatte er eine etwa daumennagelgroße Narbe. Kam von einer Messerstecherei. Aber der Kerl, der ihn angegriffen hatte, hatte dafür bitter bezahlt.

Rechnungen müssen ausgeglichen sein, dachte der Mann im Ledermantel. Das war ihm von jeher wichtig gewesen. Und manchmal musste man etwas tun, um dafür zu sorgen, dass sie auch bezahlt wurden.

Wenn jemand ein Lied davon singen konnte, dann er.

Der Mann im Ledermantel ignorierte den einsetzenden Nieselregen. Das Haar klebte ihm schon wenig später feucht am Kopf. Er ging den ungefähr zwei Meter breiten Kiesweg entlang, vorbei an der Reihe der Gräber auf dem Friedhof. In der rechten Hand trug er Blumen. Die Linke hingegen war zu einer Faust geballt.

Dann hatte er das Grab erreicht, für das die Blumen bestimmt waren. Er stand eine Weile da, starrte auf die verschnörkelten Buchstaben auf dem Stein und schluckte. Dann legte er die Blumen ab.

Nichts ist umsonst, dachte er. Alles muss zurückgezahlt werden. Alles…

Dann ging er an den Grabstein heran und berührte ihn mit der Hand.

„Es tut mir leid”, sagte er dann laut. Und seine Worte vermischten sich mit dem Prasseln des Regens, der in den letzten Augenblicken plötzlich sehr viel stärker geworden war.

3

Werner Flakowski aus Börneburg saß hinter dem Lenkrad seines BMW und gähnte. Er gähnte sehr ausgiebig. Eine anstrengende Arbeitswoche in einer Berliner Anwaltskanzlei lag hinter ihm - und die Aussicht auf ein langweiliges Wochenende bei den Schwiegereltern in Börneburg wirkte auch nicht gerade erfrischend.

„Vorsicht! Da ist irgendwas los”, riss ihn die Stimme seiner Frau aus seinen Gedanken heraus. Sie saß auf dem Beifahrersitz. Auf dem Autobahn blinkten plötzlich überall die Bremslichter auf.

Flakowski hatte den Eindruck, auf eine zum Stillstand gekommene Lawine aus Blech zuzurasen. Er trat das Bremspedal voll durch. Reifen quietschten. Von hinten bekam der BMW einen heftigen Stoß. Offenbar war jemand aufgefahren.

Irgendetwas flog durch die Luft und knallte im nächsten Moment gegen die Frontscheibe. Die Scheibe hielt, bekam aber ein Muster aus spinnenartig geformten Rissen.

„Was war das denn?”, murmelte Flakowski. Sein Gesicht war bleich wie die Wand.

Flakowski stieg aus. Seine Knie waren weich und sein Nacken schmerzte - vermutlich durch den Aufprall des hinteren Fahrzeugs. Er selbst hatte einen Aufprall auf den vorausfahrenden Ford vermeiden können.

„Ich krieg die Tür nicht auf!”, hörte er seine Frau sagen.

„Dann komm auf meiner Seite raus. Die hat sich wohl verzogen.”

„Werner, was ist da los?”

„Keine Ahnung. Aber ich nehme an, wir erfahren es bald.”

Ein Knall ließ Flakowski zusammenzucken. Weiter hinten hatte es einen weiteren Auffahrunfall gegeben.

Seine Frau stieg über dem Fahrersitz. Flakowski half ihr beim Aussteigen.

„Alles okay?”

„Es geht so.”

Flakowski sah kurz zu dem Fahrer des nachfolgenden Fahrzeugs, der sich gerade von seinem Airbag befreite. Er stieg wenig später aus seinem Geländewagen und streckte sich. Ihm schien nichts passiert zu sein.

Frau Flakowski machte zwei Schritte in Fahrtrichtung, ging an ihrem Mann vorbei und versuchte zunächst einen Blick auf das eigentliche Unfallgeschehen zu bekommen. Irgendetwas musste die ganze Karambolage ja ausgelöst haben.

Herr Flakowski hingegen interessierte sich zunächst in erster Linie für den Schaden am Heck seines BMW, der durch den Aufprall des Geländewagens entstanden sein musste.

Bei dem Kuhfänger wird der Schaden sicher ziemlich schlimm sein!, dachte Flakowski.

„Werner!”, rief seine Frau.

„Was ist?”

„Sieh mal, was da vorhin gegen unsere Scheibe geflogen ist!”

Ihr Gesicht wirkte ziemlich fassungslos. Flakowski trat zu ihr. Und dann war er es auch.

Da lag etwas zwischen der Stoßstange des BMW und dem Fahrzeug davor auf dem Asphalt.

„Wofür hältst du das, Werner?”

„Sieht aus wie ein Arm”, murmelte er.

Aus einiger Entfernung war die heisere Stimme eines Mannes zu hören. „Scheiße, ist das hier ein Horror-Film? Hier liegen überall Körperteile!”

4

Monate später…

„Herr Thalmann, bitte sagen Sie dem Hohen Gericht, wer Sie sind und was Sie beruflich machen.”

„Mein Name ist Reinhold Thalmann. Ich bin Plastinator.”

„Nun, da nicht jeder im Gerichtssaal Ihre Show kennt…”

„Das ist keine Show. Das ist Kunst. Kunst und Wissenschaft.”

„Wie auch immer, Herr Thalmann: Bitte erläutern Sie dem Gericht Ihre Tätigkeit.”

„Ich plastiniere tote Menschen, das heißt, ich bereite sie chemisch so auf, dass man ihre Körper anschließend präsentieren kann und sie nicht verwesen. Die Betroffenen haben natürlich vorher ihr Einverständnis erklärt, dass ich ihre Körper im Fall des Todes dafür verwenden darf.”

„Was sind die Motive der Menschen, die sich bei Ihnen melden, Herr Thalmann?”

„Jedenfalls bekommt niemand Geld dafür. Auch die Angehörigen nicht. Bei manchen steht der Gedanke im Vordergrund, auf diese Weise in gewisser Weise körperlich zu überdauern. Andere wollen ausdrücklich der Wissenschaft dienen…”

„Wissenschaft?”

„Ja, ich stelle ja den menschlichen Körper in seiner Funktionsweise dar und das dient der Popularisierung und Veranschaulichung anthropologischer Erkenntnisse.”

„So wie bei Frau, die sie mit einem Fötus im Bauch im Längsschnitt gezeigt haben, wogegen es dann Proteste diverser religiöser Organisationen und Gruppen gab.”

„Ja, das ist ein Beispiel dafür. Und es trifft auch zu, dass immer wieder religiöse Gruppierungen aller Art an meinem Plastinierungsprojekt Anstoß nehmen.”

„Warum?”

„Die meisten argumentieren dahingehend, dass dieses Projekt die Würde des Menschen verletzen würde. Aber das Gegenteil ist der Fall. Ich gebe den Toten die Würde zurück und erhalte sie.”

„Ein gutes Stichwort, denn um die Würde der Toten geht es ja auch in diesem Prozess, Herr Thalmann.”

„Wenn Sie das sagen…”

„Sehen Sie das nicht so?”

„Ich glaube, es geht eher um die Gefühle der Angehörigen. Aber die sind meines Erachtens hier nicht maßgeblich.”

„Sondern?”

„Es zählt einzig und allein die Willensbekundungen der Toten, die diese zu Lebzeiten in vollem Besitz ihrer geistigen Kräfte schriftlich niedergelegt haben.”

„Einspruch, hohes Gericht!”, meldete sich der Anwalt der Gegenseite zu Wort. „Herr Thalmann äußert sich zu juristischen Einschätzungen, für die er fachlich gar nicht qualifiziert ist und derentwegen wir ihn hier auch gar nicht befragen.”

„Einspruch stattgegeben”, erklärte der Richter. „Befragen Sie Herr Thalmann bitte zur Sache.”

„In Ordnung.”

„Fahren Sie fort!”

„Herr Thalmann, Ihre Show oder Ihr Kunst- und Wissenschaftsprojekt - ganz gleich, wie man das jetzt auch immer bezeichnen will - wird nicht mehr gezeigt, wie wir alle wissen. Es kam zu einem katastrophalen Unfall auf der Autobahn, in den auch der Truck verwickelt war, der Ihre Leichen transportierte, die eigentlich in der folgenden Woche in Berlin gezeigt werden sollten.”

„Plastinate”, unterbrach Thalmann.

„Wie?”

„Nicht Leichen - es sind Plastinate.”

„Wir wollen uns hier nicht um einzelne Worte streiten, Herr Thalmann. Im Übrigen: Auch wenn Sie aus den Leichen Plastinate gemacht haben, so bleiben es doch die Körper toter Menschen und die nennt man Leichen. Können wir uns so einigen?”

Thalmann ging darauf nicht ein. „Der Unfall hat leider dafür gesorgt, dass fast alle meine Plastinate zerstört wurden und nicht mehr verwendet werden können.”

„Der Polizeibericht sagt, dass die Einzelteile Ihrer … Plastinate… bis zu fünfzig Meter weit verstreut wurden. Können Sie das bestätigen?”

„Leider ja. Aber das bedeutet nicht, dass mein Projekt nun am Ende ist. Es ist nur ausgesetzt, bis ich genug Spenderkörper zur Plastination habe, um von Neuem zu beginnen! Ein halbes Jahr, dann wird man das Projekt wieder zeigen können.”

„Aber mit anderen Leichen!”

„Plastinaten.”

„Nein, Leichen, Herr Thalmann! Und das ist in diesem Zusammenhang auch keineswegs Wortklauberei. Angehörige dieser Toten haben diesen Prozess angestrengt, um zu erreichen, dass die sterblichen Überreste, die nach dem Unfall sichergestellt werden konnten, gentechnisch untersucht werden, damit sie den jeweiligen Verstorbenen eindeutig zugeordnet werden können. Das ist doch richtig?”

 

„Ja, das ist richtig.”

„Und es ist auch richtig, dass Sie sich mit allen Mitteln dagegen wehren!”

„Die Toten sind nach wie vor Teil des Projekts”, sagte Thalmann. „Daran hat auch die Tatsache nichts geändert, dass die Plastinate zerstört wurden.”

„Plastinate, von denen Sie selbst gesagt haben, dass sie nicht mehr verwendbar sind!”

„Nun, ich…”

„Herr Thalmann, diese Menschen da vorne im Gerichtssaal, möchten, dass ihre Angehörigen beerdigt werden. Und sie möchten, dass ihre Überreste eindeutig zugeordnet werden. Da uns der Sachverständige versichert hat, dass dies auch nach der Plastination ohne Weiteres möglich ist, verstehe ich nicht, weshalb Sie sich so dagegen sperren, dass diese Untersuchungen durchgeführt werden - zumal die damit verbundene Kosten von der Versicherung übernommen werden würden.”

„Ich möchte, dass die Überreste der zerstörten Plastinate in meinem Besitz verbleiben. So entspricht es auch den Verträgen, die ich mit den Körper-Spendern abgeschlossen habe.”

„Diese Verträge sehen den Fall einer Zerstörung der Plastinate gar nicht vor, Herr Thalmann.”

„Sie sehen aber auch keine Beerdigung vor, so wie sie von Ihrer Seite gefordert wird”, erklärte Thalmann.

„Und genau deswegen muss dieses Gericht über diesen Sachverhalt entscheiden”, unterbrach nun der vorsitzende Richter. „Angesichts der fortgeschrittenen Zeit unterbreche ich die Verhandlung bis morgen um neun.”