Die Sache mit Caroline und 5 andere Morde: Krimi Paket

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Alfred Bekker

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Inhaltsverzeichnis

  Die Sache mit Caroline und 5 andere Morde: Krimi Paket

  Copyright

  Die Sache mit Caroline

  Bluternte 1929 - Umgelegt in Chicago

  Ausgebremst!

  VERSCHWÖRUNG DER KILLER

  Ein Fall für Tom die Nase

  Hass, der wie Feuer brennt

Die Sache mit Caroline und 5 andere Morde: Krimi Paket
Alfred Bekker

Dieses Buch enthält folgende Krimis:

Alfred Bekker: Die Sache mit Caroline

Alfred Bekker: Bluternte 1929 - Umgelegt in Chicago

Alfred Bekker:Ausgebrenst!

Alfred Bekker: Verschwörung der Killer

Alfred Bekker: Ein Fall für Tom die Nase

Alfred Bekker: Hass, der wie Feuer brennt

Mörderische Brandanschläge erschüttern die die Stadt. Ganze Gebäude werden von Unbekannten die Luft gesprengt und es gibt Tote. Ermittler Jesse Trevellian und sein Team stehen vor einem Rätsel, während die Opfer der unbekannten Hassverbrecher immer zahlreicher werden...

Aber dann stoßen Trevellian und seine Kollegen auf ein altes Unrecht und gnadenlosen Rachedurst. Bald ist klar, dass ihnen nicht viel Zeit bleibt, um weitere Morde zu verhindern...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Die Sache mit Caroline
Alfred Bekker

Ich lernte Caroline auf einer Party kennen, zu der ich mir mit einem gefälschten Ausweis und einer gefälschten Einladung Zugang verschafft hatte.

Sie sprach eine ganze Weile nur von sich selbst und ich hörte ihr zu. Manchmal sagte ich: “Ah, ja!” Oder “So, so” oder auch ein interessiertes: “Okay…”

Anscheinend kam das gut an.

Irgendwann fragte sie mich dann: “Und was machen Sie so?”

Das war der Moment, den ich gerne vermieden hätte.

Eigentlich hatte ich gedacht, dass ihre Eitelkeit noch ein bisschen ausgeprägter wäre und ich noch den halben Abend nichts weiter als “Ah, ja!” zu sagen brauchte.

Aber anscheinend war sie doch neugierig.

“Sicherheitsbranche”, sagte ich.

“Ah, ja”, sagte sie jetzt.

Ich konnte mir das Grinsen kaum verkneifen.

“Ja”, sagte ich.

“Und etwas genauer?”

“Ich darf nicht drüber reden.”

“Aber vielleicht doch so…. eher allgemein?”

“Das war schon sehr speziell - für meine Verhältnisse.”

“Ein Mann mit Geheimnissen. Das gefällt mir.”

“Sieh an!”

Ich glaube, sie hatte es sich vielleicht ein bisschen zuviel bei dem Sekt bedient, der hier überall herumstand. Irgendwie wirkte sie auf mich wie eine Frau, die normalerweise alles und jeden und vor allem sich selbst zu kontrollieren versuchte, das aber jetzt im Moment gerade nicht mehr so besonders hinbekam.

Mir sollte es nur recht sein.

“Komisch, eigentlich laufen hier immer dieselben Leute bei denselben Parties herum”, sagte sie.

Ich hob die Augenbrauen.

“Ja, und?”

“Sie habe ich hier bislang nie gesehen.”

“Ich komme nicht viel zum Feiern.”

“Immer richtig busy, was?”

“Von nichts kommt nichts.”

“So kann man es auch ausdrücken.”

“Man muss sehen, dass man den Anschluss hält.”

“Sicher.”

“Und noch besser ist, wenn man allen anderen ein Stück voraus sind.”

Sie sah mich an.

Ihre Augen waren blau.

Blau wie das Meer.

Oder der Himmel.

Auf jeden Fall blau.

“Ist nicht ganz einfach, oder?”

“Was?”

“Das Voraus-sein.”

“Das nennt man Anticipation.”

“Muss man alle Dinge auf Englisch sagen.”

“Nein, aber es klingt professioneller”, lachte ich. “Und es wird einem schneller abgekauft. Selbst wenn noch so hohles Gelaber ist.”

“Ja, das ist leider wahr…”

Ich zuckte mit den Schultern. “Es gibt allerdings keinen Grund, das Spiel nicht mitzuspielen, wenn man begriffen hat, wie es läuft.”

“Auch wieder wahr.”

“Ich sehe das so.”

“Finden Sie es nicht auch furchtbar langweilig hier?”

Ihr Blick war abwartend. Lauernd. Sie war plötzlich sehr aufmerksam.

“Es geht so”, sagte ich.

“Was halten Sie von unverbindlichem Sex?”

“Sie sind sehr direkt.”

“Ist irgendetwas nicht in Ordnung daran, direkt zu sein?”

“Nein, daran ist alles vollkommen in Ordnung.”

“Es beruhigt mich, dass Sie das auch so sehen wie ich.”

Ich sah auf Ihre Brüste.

“Sie haben schöne Titten”, sagte ich.

“Sie sind aber auch direkt.”

 

“Das bin ich.”

“Dann sind wir uns also einig?”

“Insofern - ja.”

Sie lächelte. Und sie nahm eine Pose ein, bei der die Silhouette ihrer Kurven gut zur Geltung kam. Man musste ihr wirklich eins lassen: Das hatte sie sehr gut drauf. Sie sagte: “Ich finde es süß.”

“Was finden Sie süß?”

“Dass Sie mich noch siezen, wenn Sie mir sagen, dass ich schöne Titten hätte.”

“Ach, ja?”

“Das hat Stil.”

“Wenn Sie meinen.”

“Und es spricht für eine gewisse Galanterie.”

“Nun…”

“Ich bin ja auch durchaus direkt, wie Sie ja schon gemerkt haben.”

“Allerdings!”

“Aber ich bin keineswegs vulgär. Und das schätze ich auch bei anderen nicht.”

“Dann kann ich ja von Glück sagen, dass ich durch Ihr strenges Auswahlraster hindurch gekommen bin!”

Ihr Lächeln wurde breit.

Sehr breit.

“Und was für ein Glück Sie haben! Das wird Ihnen noch aufgehen…”

“Beim Vögeln.”

“Genau.”

“Wie geht es jetzt weiter?”

“Ich suche irgendwo einen Platz, wo ich mein halb leeres Sektglas hinstellen kann und dann verschwinden wir. Geschäftlich wichtige Kontakte mache ich heute sowieso nicht mehr. Und wenn… Dann sollte ich wohl ohnehin besser jedes Treffen mit jemandem vermeiden, der wichtig ist.”

“Weil Sie schon zu viel Sekt getrunken haben.”

“Genau.”

“Dann verschwinden wir doch”, sagte ich.

“Ich heiße übrigens Caroline”, sagte sie.

Aber das wusste ich längst.

*

Wir nahmen ein Taxi. Sie bewohnte ein nobles Penthouse mit fantastischer Aussicht. Die Stadt wirkte wie ein Lichtermeer. Wie eine Galaxie, in der sich raumschiffartige Gebilde bewegten. In Wahrheit waren es nur Autos, Flugzeuge und die S-Bahn. Aber man muss sich nicht jede Fantasie durch die Wahrheit zerstören lassen. Man kann sie manchmal auch einfach genießen.

Wir waren kaum in ihrer Wohnung, als ihr fast wie beiläufig das Kleid von den Schultern rutschte. Sie trug nichts darunter.

Nackt, wie sie war, drehte sie sie sich zu mir um. “Was ist? Plötzlich schüchtern?”

“Nein”, sagte ich.

“Aber irgendetwas ist.”

“Nein.”

“Na, dann ist es ja gut.”

“Ja.”

“Manchmal muss man einfach alles, was mit dem Job zu tun hat, aus dem Kopf kriegen.”

Ich nickte. “Ja, das muss man”, stimmte ich ihr zu.

*

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, nach dieser Nacht als erster aufzuwachen. Eigentlich wäre es sogar verdammt wichtig gewesen, dass ich als erster aufwachte. Aber manchmal klappen die Dinge eben nicht ganz so, wie sie sollen.

Sie war vor mir wach und stand nackt neben dem Stuhl, auf dem ich meine Sachen abgelegt hatte. Das Licht der Morgensonne fiel durch die Fensterfront und zauberte Schattenmuster auf ihre vollen Brüste.

Unglücklicherweise fingerte sie an meiner Jacke herum und hatte wenig später die Pistole in der Hand, die ich bei mir trug.

“Ich sagte doch, ich bin in der Sicherheitsbranche”, erklärte ich.

“Die Waffe ist echt?”

“Sicher.”

“Du bist ein Leibwächter?”

“Sowas Ähnliches.”

“Ich könnte jemanden brauchen, der mir Leute vom Leib hält, mit denen ich nichts zu tun haben will. Fällt das in dein Gebiet?”

“Unter Umständen ja.”

“Was machst du genau?”

“Ich bin dagegen, Berufliches und Privates zu vermischen.”

“Ach komm, das ist doch Blödsinn.”

Ich war aufgestanden, hatte mir meine Hose übergezogen und trat ihr nun entgegen.

Sie ließ sich die Waffe aus der Hand nehmen.

Zum Glück.

“Ich habe ein paar Schwierigkeiten”, sagte sie. “Mit unangenehmen Leuten. Und ich würde viel Geld dafür bezahlen, wenn das jemand für mich regelt.”

“Schön für dich. Dann wird sich jemand finden, der das für dich macht.”

“Und was ist mit dir?”

Ihre Haltung wirkte provozierend. Sie hatte den Arm in die Hüfte gestemmt. Ich gönnte mir noch einen Blick auf ihre Brüste, die noch in Bewegung waren und leicht zitterten.

“Für mich ist das nichts”, sagte ich.

“Schade.”

"Ist aber so."

“Ich bin wirklich in Schwierigkeiten.”

“Ich weiß.”

Ich langte in die Jackentasche und bekam den Schalldämpfer zu fassen. Dann schraubte ich ihn auch.

Sie sah mich an.

Ich feuerte zweimal kurz hintereinander. Ob sie begriff, was ihr geschah, weiß ich nicht. Allenfalls im allerletzten Moment wurde ihr klar, dass die Leute, mit denen sie Schwierigkeiten hatte, mir den Auftrag gegeben hatten, sie zu beseitigen.

Irgend wer stört immer irgendwen.

Was genau der Grund war, interessierte mich nicht.

Nur eins zählte für mich an allererster Stelle: Die Loyalität zum Auftraggeber.

Ich steckte die Waffe wieder ein, zog mich zu Ende an und sammelte sehr sorgfältig alle meine Sachen zusammen. Allzu vorsichtig brauchte ich nicht sein. Meine DNA war nirgends gespeichert. Meine Fingerabdrücke auch nicht.

Immer mit der Ruhe, dachte ich, als ich fertig war. Ich sah nochmal zurück auf die Tote auf dem Boden.

Erledigt, dachte ich.

ENDE

Bluternte 1929 - Umgelegt in Chicago

Krimi in der Tradition von Hammett und Chandler, der im Chicago der 20er Jahre spielt.

von Alfred Bekker

Historischer Kriminalroman aus der Zeit von Al Capone

Irgendein kalter Tag in Chicago. Man schrieb das Jahr 1929. Ein böses Jahr, ein böser Tag.

Aber ich will mich nicht beklagen, schließlich lebe ich noch, sonst könnte ich diese Story auch gar nicht erzählen...

Kriminalroman von Alfred Bekker in der Tradition von Hammett und Chandler - angesiedelt im Chicago der 1920er Jahre .

Alfred Bekker ist ein bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden, Sidney Gardner, Jonas Herlin, Jack Raymond, Adrian Leschek, John Devlin, Brian Carisi, Robert Gruber und Janet Farell.

Copyright

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author

© der Digitalausgabe 2015 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

www.postmaster@alfredbekker.de

Der Umfang dieses Buchs entspricht 101 Taschenbuchseiten.

1

Irgendein kalter Tag in Chicago. Man schrieb das Jahr 1929. Ein böses Jahr, ein böser Tag.

Aber ich will mich nicht beklagen, schließlich lebe ich noch, sonst könnte ich diese Story auch gar nicht erzählen.

2

Es gibt Tage, an denen geht alles schief. Und genau so einer lag gerade hinter mir, als ich Clunkys „Speakeasy“ aufsuchte, eines jener illegalen Schnapslokale, die in Chicago und anderswo aus dem Boden sprießen wie faulige Pilze.

Ich brauchte jetzt einen Drink, sagte am Eingang das Passwort und wurde eingelassen.

Als ich an die Theke trat stellte Clunky, ohne ein überflüssiges Wort zu verlieren, etwas Hochprozentiges vor mich hin. Der erste Schluck brannte noch etwas in der Kehle, aber um einen Teil meiner Probleme mit hinunter zu spülen, dafür reichte er. Ich stellte das geleerte Glas auf den Tresen und Clunky schenkte nach.

An diesem verfluchten Tag hatte ich einen Mann erschossen, nachdem dieser meinen Klienten erledigt hatte.

Ich fand, dass ich mir ein Recht auf schlechte Laune redlich verdient hatte, nahm meinen Drink und verzog mich damit in die hinterste Ecke. Mir war heute ausnahmsweise nicht nach Theken-Gequatsche.

Falls ich später nicht mehr in der Lage wäre, meinen 1924er Plymouth zu fahren, den ich ganz in der Nähe abgestellt hatte, war das nicht so schlimm. Mein 1-Zimmer-Apartment befand sich nur vier Blocks entfernt und bis dahin schaffte ich es in jedem Fall noch zu Fuß.

Ich schloss für ein paar Momente die Augen und war allein mit mir und meinen Gedanken.

Ein Mann namens Zach Allister hatte mich vor einer Woche angesprochen. Er hatte ein Mitglied des irischen Syndikats um eine Menge Geld geprellt und jetzt fürchtete er um sein Leben. Zur Polizei konnte er nicht gehen, weil die ihm ein paar unangenehme Fragen gestellt hätte. Also wandte er sich an mich, Pat Boulder – Privatermittler und wenn es sein muss auch mal Bodyguard. Eine Woche schaffte ich es, meinen Klienten am Leben zu halten. Ich riet ihm, besser aus der Stadt zu verschwinden. Nach dem, was er verbockt hatte, war die Windy City einfach kein Pflaster mehr für ihn, aber leider hatte er das nicht einsehen wollen.

Wer nicht hören will muss fühlen oder bekommt manchmal auch ein Kugel ab.

Das Gespräch, dass wir in meinem Büro in der Ecke South Franklin/Monroe Street geführt hatten, ging mir in diesem Augenblick durch den Kopf.

„Ich habe hier dringende Geschäfte, Mister Boulder!“

„Kleines Rendezvous mit dem Leibhaftigen – oder was sollen das für Geschäfte sein?“

„Werden Sie nicht zynisch, Boulder!“

„Sie sind so tot wie ein paar eingeschlafene Füße, wenn Sie nicht bald von hier verschwinden. Die Leute, mit denen Sie sich angelegt haben, fackeln nicht lange!“

„Das werden wir ja sehen!“

„Die machen ein Sieb aus Ihnen!“

„Was Sie verhindern werden, Boulder! Ich zahle Ihnen das Doppelte Ihres üblichen Satzes! Hören Sie, ich weiß, dass Sie gut sind. Aber ich weiß auch, dass Sie Geld brauchen.“

Wir hatten beide Recht gehabt und jetzt lag Zach Allister in der städtischen Leichenhalle, voll gepumpt mit Blei. Es war in einem Diner in der Washington Road passiert. Mein Klient war aufgestanden, um sich beim Geschäftsführer über die Qualität des Kaffees zu beschweren, da war ein Kerl mit einer MPi in den Händen herein gestürmt und hatte ihn einfach niedergemäht.

Lange hatte sich dieser Hit-man allerdings nicht darüber freuen können. Ein gezielter Schuss aus meinem 38er war für ihn das Aus gewesen.

Es waren nicht die anschließenden Verhöre bei der Polizei, die mich den letzten Nerv gekostet hatten, sondern die Aussicht, dass sich die Geschichte herumsprach. Ein Mann, den ich hätte schützen sollen, war tot. Eine gute Reklame war das nicht gerade. Welcher Klient sollte da noch Vertrauen fassen?

„Sind Sie Mister Boulder?“, riss mich eine weibliche Stimme aus meinen Gedanken. „Mister Pat Boulder!“, wiederholte sie und betonte dabei meinen Vornamen auf eine Weise, die es in sich hatte.

Ich öffnete die Augen und sah eine Frau von Ende zwanzig. Das Haar war dunkel, ihr feingeschnittenes Gesicht wurde von zwei grünblauen Augen beherrscht und die Silhouette, die man unter dem eng anliegenden Kleid erahnen konnte, war atemberaubend. In der einen Hand hielt sie ein halbleeres Glas, in der anderen eine Zigarette, die allerdings noch nicht brannte.

„Darf ich mich zu Ihnen setzen, Mister Boulder?“

„Sie dürfen. Aber Sie haben sich einen schlechten Tag ausgesucht, um mit mir anzustoßen.“

„Ach, ja?“

„Erwarten Sie besser nicht, dass ich heute vor Witz nur so sprühe oder Sie sich geistreich mit mir unterhalten könnten!“

„Keine Sorge, Mister Boulder! Aber Feuer haben Sie doch bestimmt noch, oder?“

Ich langte in die Seitentasche meines Jacketts und holte die Streichhölzer hervor. Sie beugte sich vor, damit ich ihr Feuer geben konnte. Anschließend setzte sie sich und ich zündete mir auch eine an.

Nachdem ich den ersten Zug genommen hatte, trank ich mein Glas leer und verzog das Gesicht. „Richtiger Bourbon ist was anderes als dieser Fusel…“

„Mister Boulder…“

„Jetzt reden wir mal Tacheles. Wer sind Sie und wer hat Ihnen meinen Namen gesagt?“

Irgendwo lachte jemand sehr schrill und zog damit die Aufmerksamkeit aller auf sich. Für die junge Lady, die an meinem Tisch Platz genommen hatte, bedeutete dies, dass sie ein paar Sekunden länger Zeit hatte, sich eine vernünftige Antwort zu überlegen.

 

Sie beugte sich etwas über den Tisch und sprach anschließend mit gedämpfter Stimme.

„Mein Name ist Jessica Rampell. Und wer Sie sind weiß ich von Clunky.“

„Sagen Sie bloß, der redet mit Ihnen!“

„Ja, stellen Sie sich vor!“

„Anscheinend haben Sie das gewisse Etwas!“

Sie lächelte etwas spöttisch. „Das wird es wohl sein.“

Ich grinste zurück. „Da stehe ich einmal nicht an der Theke, sondern verzieh mich gegen meine sonstige Gewohnheit an einen Tisch und schon verpasse ich ein historisches Ereignis: Den Augenblick, in dem Clunky Small Talk macht!“

„So würde ich das nicht bezeichnen.“

„So?“

„Ich fragte ihn nach jemandem, der mir bei einer ziemlich delikaten Sache irgendwie weiterhelfen könnte!“

Ich zog an meiner Lucky Strike und war auf einmal wieder so nüchtern wie ein reformierter Prediger.

„Worum geht es?“

„Clunky hat erzählt, Sie seien ein guter Privatdetektiv.“

„Ich nehme 25 Dollar am Tag plus Spesen. Wenn Sie das aufbringen können, mache ich fast alles für Sie.“

„Gut zu wissen.“

„Aber nur fast alles.“

Ich dachte bei ihr an einen untreuen Ehemann, den es zu beschatten galt. Die Tatsache, dass die Kleine keinen Ehering trug, musste nichts heißen. Vielleicht hatte sie ihn vor lauter Wut schon versetzt. Eigentlich ein Job, den ich hasste wie die Pest. Aber nach der Schießerei in dem Diner sehnte ich mich geradezu nach einem langweiligen Job.

Immerhin schreckte sie mein Preis nicht und das hielt ich schon einmal für ein gutes Omen. Aber wenn ich mir das edle Armband und die Perlenkette so ansah, dann war eigentlich auch nichts anderes zu erwarten gewesen.

Doch im Hinblick auf die Art von Jessica Rampells Auftrag sollte ich mich ziemlich gründlich getäuscht haben.

Sie blies mir ihren Rauch entgegen. Vielleicht hatte sie das im Kino gesehen und hielt es für weltläufig.

„Clunky sagt, Sie würden ńe Menge Leute kennen!“

„Wenn Clunky das sagt…“

„Sie kommen doch viel herum, oder!“

„Worauf wollen Sie eigentlich hinaus?“

„Ich brauche jemanden, der einen unauffällig über den See nach Kanada bringen könnte. Die Alkoholschmuggler fahren doch diese Route…“

„Ja, und es werden regelmäßig welche von ihnen geschnappt.“

„Dann wäre es besser, wir hätten neue Papiere?“

„Wir? Sie sind zu mehreren?“, hakte ich nach, bekam aber zunächst keine Antwort. „Wahrscheinlich wäre Ihnen eine Reise ohne Fragen und ohne Papiere am liebsten.“

Sie nickte lächelnd.

„Ja, so ähnlich“, gab sie zu.

„Was haben Sie auf dem Kerbholz?“

„Ja oder nein?“ Ihre Stimme hatte jetzt einen harten, metallischen Klang bekommen. Ihre grünblauen Augen erinnerten mich an die Augen einer Katze.

„Ich kann mich ja mal für Sie umhören“, sagte ich vage.

Sonderlich scharf war ich auf diesen Job nicht. Wenn schon die Klientin nicht genau weiß, was sie eigentlich will, gibt so etwas immer nur Komplikationen.

„Da wäre ich Ihnen sehr dankbar, Mister Boulder.“

„Wie kann ich Sie erreichen?“

„Überhaupt nicht. Ich werde Sie in den nächsten Tagen anrufen.“

Ich war etwas überrascht. Aber die Klientin ist Königin und es gab keinen Grund, sich auf ihre Bedingungen nicht einzulassen.

„In Ordnung“, stimmte ich zu. „Ganz wie Sie wollen!“

Ich langte in meine Brieftasche und gab ihr eine meiner Karten.

Sie nahm sie an sich, warf einen kurzen Blick darauf und steckte sie dann in ihre Handtasche.

„Bis wann wollen Sie denn verschwinden?“, fragte ich noch.

„Spätestens Ende der Woche. Im Übrigen brauche ich zwei Plätze!“

„Verstehe“, log ich. Ich witterte irgendeine Romeo- und Julia-Geschichte, aber davon wollte ich im Moment eigentlich nichts weiter hören.

„Im Erfolgsfall bekommen Sie 100 Dollar zusätzlich!“, versprach sie mir. Dann holte sie ihre Brieftasche hervor und legte mir genau 25 Dollar auf den Tisch. „Und das ist dafür, dass Sie auch sofort damit anfangen, sich um meinen Fall zu kümmern!“

Ich lächelte dünn. „Geld beflügelt meinen Einsatzeifer immer ungemein“, gab ich zu, sammelte die Scheine ein, während ich die Lucky Strike im rechten Mundwinkel aufglimmen ließ und steckte die Beute des heutigen Tages in die Jackettinnentasche.

„Es ist wirklich dringend, Mister Boulder!“

„Es hat mich gefreut, mit Ihnen Geschäfte zu machen, Ma’am!“, sagte ich.

Sie erhob sich und so tat ich es ebenfalls.

„Ich muss jetzt leider gehen“, erklärte sie und rauschte davon. Ich sah ihr noch ein paar Augenblicke nach, ehe sie sich in der Menge von Trinkern, die sich inzwischen in dem Speakeasy eingefunden hatte, verlor.

Ich atmete tief durch und dachte : So endet dieser verdammte Tag ja doch noch einigermaßen erträglich!

Wer hätte das für möglich gehalten?