Wenn der Mörder viermal kommt: 4 Action Krimis

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Alfred Bekker, A.F.Morland

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Inhaltsverzeichnis

  Wenn der Mörder viermal kommt: 4 Action Krimis

  Copyright

  Road Killer

  Der Boss schickt seinen besten Mann: N.Y.D. – New York Detectives

  Mortimer Grants mörderische Pläne: N.Y.D. – New York Detectives

  Der Mann mit den blutigen Händen: N.Y.D. – New York Detectives

Wenn der Mörder viermal kommt: 4 Action Krimis
Alfred Bekker, A.F.Morland

Dieser Band enthält folgende Krimis:

Road Killer (Alfred Bekker)

Der Boss schickt seinen besten Mann (A.F.Morland)

Mortimer Grants mörderische Pläne (A.F.Morland)

Der Mann mit den blutigen Händen (A.F.Morland)

Privatdetektiv Bount Reiniger will den Mord an Colette aufklären. Sie war die Geliebte des Gangsters Marsden. An den kommt man nicht leicht heran, und so versucht Reiniger mit Hilfe der Polizei den Buchhalter auszuquetschen. Der wird jedoch von seinem Bruder aus dem Gefängnis geholt und versteckt. Marsden schickt einen Killer los, der nicht nur den Buchhalter sondern auch Reiniger töten soll. Dieser Killer hat noch nie versagt.

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author / COVER STEVE MAYER NACH MOTIVEN VON PIXABAY

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Alles rund um Belletristik!

Road Killer
von Alfred Bekker

Kriminalroman

Der Umfang dieses Buchs entspricht 140 Taschenbuchseiten.

Ein Mörder zieht seine blutige Spur durch die Stadt. Seine Methode ist sehr speziell: Er tötet im Straßenverkehr...

Ein packender Thriller von Alfred Bekker.

Alfred Bekker ist ein bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton Reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden und Janet Farell.

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

1

Nebel hing tief über dem Long Island Sound. Milo und ich waren mit dem Sportwagen zu einem Parkplatz an der Connecticut-Küste gefahren, um einen Informanten zu treffen.

Jetzt warteten wir schon eine Viertelstunde.

Milo blickte auf die Uhr.

„Brad Mendoza lässt sich heute Zeit!“

„Hoffen wir, dass ihm nichts zugestoßen ist!“

„Er ist vorsichtig!“

In diesem Augenblick hörten wir den Motor eines Motorrads aufheulen. Es fuhr die Küstenstraße entlang, bremste ab und bog anschließend auf den Parkplatz. Der Fahrer steckte in einer schwarzen Ledermontur. Das Visier war dunkel. Er ließ den Motor seiner Harley noch einmal aufheulen und raste dann auf uns zu. Im letzten Moment bremste er. Der Hinterreifen brach ein wenig aus. Eine deutlich sichtbare Spur zog sich über den Asphalt. Er setzte den Helm ab.

„Hey, was soll das?“, schimpfte Milo, der sicherheitshalber zur Seite gesprungen war. „Wollen Sie mit uns Easy Rider spielen?“

Brad Mendoza strich sich das gelockte, dunkle Haar zurück und grinste breit. „Wie wär’s denn stattdessen mit Road Killer?“

2

„Von der Federal Plaza bis hier sind es fast 8o Meilen!“, ereiferte sich Milo. „Wenn Sie glauben, dass wir diese Strecke fahren, um uns irgendwelche Mätzchen gefallen zu lassen, sind Sie schief gewickelt, Mister Mendoza!“

Mendoza verdrehte die Augen. „Tut mir leid!“, lenkte er ein. „Ich habe seit zwei Tagen eine neue Maschine und da…“

„Ist das ein Grund, den Verstand auszuschalten?“

„Schon gut, Milo!“, mischte ich mich ein, obwohl ich den Ärger meines Kollegen durchaus teilte. „Ich bin überzeugt davon, dass Mister Mendoza uns nicht hier her bestellt hätte, wenn es keine wichtigen Neuigkeiten gäbe!“

„Sehr richtig!“, stimmte Mendoza zu. „Ich habe was ganz Großes für Sie. Aber wenn Sie nicht interessiert sind…“

„Wir sind durchaus interessiert“, sagte ich sachlich.

Er grinste. „Okay! Sie werden Augen nmacvhe und ich würde sagen, diesmal istc ei kleiner Bonus drin!“

„Darüber reden wir, wenn wir wissen, worum es geht“, entschied ich.

Brad Mendoza war 38 Jahre alt und Barkeeper in einem Club namens Latin Pop in Spanish Harlem. Der Name war Programm, was die Musikauswahl betraf. Mehr oder minder regelmäßig versorgte er uns mit Neuigkeiten aus Spanish Harlem und der South Bronx. Hauptsächlich natürlich über das Syndikat der Puertoricaner, das dort das Zentrum seiner Aktivitäten hatte.

Mendoza hatte uns immer zuverlässig beliefert. In so fern hatten wir keinen Grund, uns über ihn zu beklagen. Allerdings war ihm auch ein Hang zur Wichtigtuerei und Selbstdarstellung eigen, der ihm irgendwann noch einmal das Genick brechen konnte.

Die Tatsache, dass er sich eine Harley leisten konnte, sprach dafür, dass er in letzter Zeit irgendwelche krummen Geschäfte nebenher laufen hatte.

„Wir haben lange nichts voneinander gehört, Mister Mendoza“, stellte ich fest.

Er zuckte die Schultern. „War eben nichts zu berichten, Agent Trevellian!“

„Aber es scheint Ihnen ja gut zu gehen…“ Während ich das sagte, deutete ich auf die Harley.

„Man tut, was man kann.“

„So, wie ich das sehe, werden Sie nicht lange Freude an Ihrem heißen Ofen haben!“, mischte sich mein Kollege Milo Tucker ein. „Bei Ihrer Fahrweise bringen Sie früher oder später sich selbst oder jemand anderen um.“

„Sorry, Agent Tucker! Aber ich habe das Ding völlig unter Kontrolle.“

„Warum wollten Sie sich mit uns treffen?“, fragte ich.

„Ich hoffe, Ihre Story ist so gut wie die Ankündigung vorhin!“, ergänzte Milo.

„Das mit Easy Rider und Road Killer gerade eben war kein Witz.“ Er sah mich an, hob die Augenbrauen und wartete meine Reaktion ab. „Na, klingelt es bei Ihnen? Es geht um den legendären Road Killer…“

Dieser Name war mir durchaus ein Begriff. Es war das Pseudonym eines skrupellosen Lohnkillers, den man für Dutzende von Morden im Umfeld der Drogensyndikate verantwortlich machte. Das einzige, was man definitiv über ihn wusste, war, dass es sich um einen exzellenten Motorradfahrer handeln musste. In sämtlichen Mordfällen, die mit ihm in Verbindung gebracht wurden, hatten Motorräder eine Rolle gespielt.

Daher auch der Spitzname, den man ihm gegeben hatte.

Seit Jahren stand er auf der Fahndungsliste, aber bislang gab es keinen viel versprechenden Ermittlungsansatz.

„Ich weiß aus sicherer Quelle, dass der Road Killer zurzeit in New York ist“, eröffnete Mendoza.

„Von wem haben Sie das?“, hakte ich nach.

„Kann ich Ihnen nicht sagen, sonst beträgt meine Lebenserwartung noch eine halbe Stunde oder so.“ Er grinste. „Sie kennen das Spiel doch, Agent Trevellian. Aber wenn Sie die Quelle auch nicht kennen, so müssen Sie doch zugeben, dass ich Ihnen noch nie Mist erzählt habe!“

 

„Ich nehme an, der Road Killer ist aus beruflichen Gründen hier in New York“, schloss Milo.

„So ist es.“

„Wissen Sie Näheres darüber?“

Mendoza nickte. „Wo denken Sie hin? Er hat angeblich einen Auftrag. Mehr weiß ich nicht. Aber an Ihrer Stelle würde ich diesen Hinweis sehr ernst nehmen. Ich wäre nicht zu Ihnen gekommen, wenn ich das nur für die üblichen Gerüchte halten würde. Was ist mit dem Bonus?“

„Ob wir Ihnen mehr zahlen können, hängt davon ab, ob sich das ganze wirklich als heiße Spur erweist, Mister Mendoza“, schränkte ich ein. „Sie wissen ja, dass sich die Beträge für Informanten in einem engen Rahmen bewegen.“

Er setzte sich den Helm wieder auf.

Für ihn schien die Unterhaltung mehr oder weniger beendet zu sein.

Ich trat etwas näher an seine Harley heran. „Einen Moment noch, Mister Mendoza.“

Er klappte das Visier hoch.

„Ich muss dringend wieder zurück in den Big Apple. Termine – Sie verstehen?“

„Ich dachte, die Arbeitszeit eines Barkeepers im Latin Pop beginnt nicht vor dem frühen Abend“, wandte ich ein.

„Man hat ja auch noch ein Privatleben, Agent Trevellian!“

„Oder Geschäfte, die nebenbei laufen und es einem Barkeeper ermöglichen, sich eine Harley zu leisten?“

Er lachte. „Mit Verlaub, aber das geht Sie nichts an. Im Übrigen bin ich einfach nur ein sparsamer Mensch.“

„Natürlich…“

„Das meine ich vollkommen ernst!“

„Wie frisch ist die Information? Das werden Sie mir doch sagen können, ohne Ihre Quelle zu verraten?“

„Ich habe gestern Abend davon erfahren. Meine Quelle erfuhr maximal einen halben Tag früher davon. Und jetzt rechnen Sie mal schön, ob Ihnen das noch frisch genug ist!“

„Wir sprachen ja gerade über Gerüchte.“

„Ja?“

„Man redet davon, dass sich angeblich ein neuer Anbieter auf dem Drogenmarkt etablieren will. Ist da was dran?“

Er zuckte die Achseln. „Ich habe auch schon davon gehört, Agent Trevellian. Aber was davon jetzt den Tatsachen entspricht, davon habe ich keine Ahnung. Eigentlich müssten dann die Straßenpreise für Heroin ins Bodenlose fallen, aber das tu sie nicht. Also wenn eine derartige Aktion geplant, kann sie meiner Ansicht nach noch nicht begonnen haben.“

„Verstehe.“

„Nur das mit dem Road Killer, das ist ziemlich sicher – und wenn Sie beide Puzzleteile zusammenbringen, dann ergibt das doch ein Bild, das Sinn macht, finde ich!“

Er klappte das Visier herunter. „Ich melde mich, wenn ich mehr weiß!“, versprach er und brauste mit durchdrehendem Hinterreifen davon. Er drehte das Gas voll auf und raste mit halsbrecherischer Geschwindigkeit auf die Ausfahrt zu. Wenig später fuhr er die Küstenstraße zurück in Richtung der Grenze zwischen Connecticut und New York State.

„Man sollte ihm die Fahrerlaubnis wegnehmen!“, meinte Milo. „Der Kerl ist doch gemeingefährlich!“

Ich wandte den Blick in Richtung meines Kollegen und fragte: „Sprichst du jetzt von Mendoza oder dem Road Killer?“

Milo machte eine wegwerfende Handbewegung. Wir stiegen in den Sportwagen ein. Schließlich fragte er: „Was hältst du von er Story, die uns Mendoza erzählt hat?“, fragte Milo.

„Mehr als ein Tipp war das nicht – aber bislang konnte man sich auf Mendoza immer verlassen. Wir tun also gut daran, diesen Hinweis ernst zu nehmen.“

„Ich kann diesen Wichtigtuer nicht leiden!“

„Wenn bestimmt, was er sagt, haben wir in nächster Zeit jede Menge Arbeit im Field Office, Milo. Ein auswärtiges Syndikat schickt einen Profi-Killer, der die Konkurrenz aus dem Weg räumen soll… Ich hoffe, dass Mendoza sich geirrt hat!“

3

Brad Mendoza jagte mit seiner Harley die Küstenstraße entlang. Zurzeit war nur wenig Verkehr.

Die Nebelschwaden über dem Long Island Sound zogen jetzt nach und nach in die Uferzone. Normalerweise konnte man von hier aus die Silhouette von Queens sehen. Aber jetzt war da nichts weiter als eine hellgraue, undurchdringliche Wand.

Und die ersten Schwaden zogen nun auch über die Straße. Die Sichtweite sank innerhalb kurzer Zeit dramatisch.

Mendoza drosselte die Geschwindigkeit.

Der Nebel wurde rasch dichter. Bald fuhr er in ein graues Nichts hinein. Selbst die Küstenlinie war kaum noch zu erkennen. Die Bäume am Straßenrand waren nur noch dunkle, drohende Schatten. Auf dreißig bis vierzig Yards schätzte er die Sichtweite. Ein Truck kam ihm donnernd entgegen. Er war erst in letzter Sekunde zu erkennen und tauchte düsterer, übermächtiger Schatten aus dem Nebel heraus.

Im Rückspiel sah Brad Mendoza zwei Lichter herannahen. Ein Geländewagen schloss mit ziemlich hoher Geschwindigkeit zu ihm auf, hielt sich dann aber hinter ihm.

Die schlechte Sicht zwang Brad Mendoza dazu, die Geschwindigkeit noch etwas weiter abzusenken. Einfach ins Nichts hineinzurasen war selbst ihm zu riskant, obwohl er ansonsten stets dazu neigte, sich als Fahrer zuviel zuzutrauen.

Der Geländewagen scherte plötzlich auf die Gegenfahrbahn aus, beschleunigte und zog dann wieder nach rechts. Dabei touchierte er die Harley. Mendoza verlor die Kontrolle über das Motorrad, brach seitlich aus und geriet von der Fahrbahn.

Ehe er bremsen konnte, knallte die Harley gegen einen der zahlreichen Bäume, die an der dem Ufer abgewandte Seite der Fahrbahn zu finden waren.

Der Geländewagen hielt mit quietschenden Reifen.

Ein Mann stieg aus.

Er trug eine Mütze mit der Aufschrift WINNER. In der Linken schwang er einen Baseball-Schläger.

Brad Mendoza lag in verrenkter Haltung auf dem Boden.

Er stöhnte auf, war aber zu schwer verletzt, um sich aufzurappeln. Der Mann mit der WINNER-Mütze näherte sich.

Er verzog das Gesicht, als er Mendoza in seiner Blutlache liegen sah. Der Verletzte schaffe es, den Helm vom Kopf zu nehmen. Er keuchte, rang nach Luft und versuchte, die Blutung am Bein stillen.

Dann sah er den Mann mit der WINNER-Mütze auf sich zukommen. Er stierte ihn gläubig an. Mendoza hob abwehrend die Hand.

„Nein!“, schrie der Verletzte mit heiserer, schwacher Stimme. Er versuchte die letzten Kräfte zu mobilisieren.

Vergeblich.

Zweimal holte der Mann mit der WINNER-Mütze aus. Ein dumpfes Geräusch entstand, wenn das Holz des Baseballschlägers auftraf

Danach schwieg Brad Mendoza für immer.

4

Wir fuhren erst eine halbe Stunde nach Beendigung unserer Zusammenkunft mit Brad Mendoza zurück in Richtung New York. Das gehörte zu den Regeln, die wir einzuhalten hatten, wenn wir uns mit Mendoza trafen. Er bestand darauf, da er sich ständig verfolgt gefühlt hatte.

Wir nutzten die Zeit, um mit Mr McKee Kontakt aufzunehmen und mit Hilfe des im Sportwagen installierten Rechners eine Online-Verbindung zu NYSIS zu schalten. Über dieses landesweit allen Polizeieinheiten zur Verfügung stehende Datenverbundsystem konnten wir uns den aktuellen Stand der Fahndung in Bezug auf den Road Killer ansehen.

Der letzte Mord, der mit ihm in Verbindung gebracht werden konnte, lag drei Jahre zurück und war in Philadelphia an einem abtrünnigen Mafia-Mitglied namens Mike Pasarella verübt worden.

Der Road Killer hatte aus einem präparierten Motorradlenker mit einem Explosivgeschoss auf den Wagen Pasarellas gefeuert, der daraufhin explodiert war.

„Es bestand schon die Hoffnung, dass der Road Killer sich aus dem Hitman-Geschäft zurückgezogen hätte“, sagte Mr Jonathan D. McKee, der Chef des FBI Field Office New York über die Freisprechanlage des Sportwagens. „Schließlich dürfte er für seine Morde gut bezahlt worden sein und langsam ausgesorgt haben.“

„Vorausgesetzt, er ist mit seinem Geld auch geschickt umgegangen und hat es richtig investiert“, meinte Milo.

„Jedenfalls werde ich die Kollegen des Innendienstes anweisen, nach Ermittlungsansätzen zu suchen“, erklärte unser Chef. „Schließlich haben wir in diesem Fall vielleicht die Möglichkeit, ein Verbrechen zu verhindern, anstatt wie üblich erst dann tätig zu werden, wenn es bereits geschehen ist. Sehen Sie irgendeine Möglichkeit, an Mendozas Quelle heranzukommen?“

„Wenn wir anfangen, in seinem Umfeld zu ermitteln, gefährden wir ihn“, gab ich zu bedenken.

„Die Fakten stellen sich so dar: Der Road Killer ist eine der ausgebufftesten Tötungsmaschinen, die je im Dienst des organisierten Verbrechens gestanden hat“, sagte Mr McKee. „Wer immer ihn für einen Auftrag gewinnen will, muss in der Lage sein, ein Spitzenhonorar zu zahlen.“

„Möglicherweise gibt es einen Zusammenhang zu den Gerüchten um ein auswärtiges Drogensyndikat, das seinen Einfluss auf New York ausdehnen will“, glaubte Milo.

„Wir bekommen in der Tat fast täglich Hinweise darauf, dass sich in diese Richtung irgendetwas in Spanish Harlem und der South Bronx tun wird“, stimmte Mr McKee zu. „Und wenn der von Ihnen skizzierte Zusammenhang tatsächlich besteht, dann müssen wir uns auf blutige Machtkämpfe einstellen.“

Mr McKee unterbrach die Verbindung. Milo und ich sahen uns das vorliegende Datenmaterial über den Road Killer an. Abgesehen von ein paar nicht sehr brauchbaren Zeugenaussagen, gab es kaum Spuren.

„Dieser Mann ist ein Profi durch und durch“, sagte ich, während ich den Sportwagen die Küstenstraße entlang lenkte. „Wir müssen uns wohl oder übel darauf einstellen, dass er kaum Fehler machen wird, die uns helfen könnten, ihn in unser Netz laufen zu lassen!“

„Jeder macht Fehler“, widersprach Milo. „Früher oder später jedenfalls.“

„Bei Road Killer warten wir allerdings schon ziemlich lange darauf.“

Der Nebel nahm immer mehr zu, je weiter wir uns der Grenze des Staates New York näherten.

Plötzlich tauchten Warnleuchten aus dem Nebel auf.

Ich drosselte die Geschwindigkeit und fuhr im Schritttempo weiter. Mehrere Einsatzfahrzeuge des zuständigen County Sheriffs sowie ein Rettungswagen waren zu sehen.

Ein Deputy trat an unsere Seitenscheibe. Ich ließ sie herunter.

Der Deputy machte eine Handbewegung. „Fahren Sie bitte weiter!“

„Was ist hier passiert?“

„Schwerer Motorradunfall. Ist immer dasselbe: Überhöhte Geschwindigkeit im Nebel. Die Kerle überschätzen ihre Fähigkeiten, verlieren die Kontrolle über die Maschine und dann rasen sie frontal gegen den Baum. Aber jetzt fahren Sie bitte weiter! Sonst gibt es hier noch einen Auffahrunfall.“

Ich holte meine ID-Card hervor.

„Agent Trevellian, FBI. Handelte es sich bei der verunglückten Maschine zufällig um eine Harley?“

Der Deputy nickte. „Ja, woher wissen Sie das?“

„Nur eine Vermutung. Aber es könnte sein, dass dies unser Fall ist!“

5

Ich parkte den Wagen am Straßenrand. Wir stiegen aus.

Der Mann, der den Einsatz leitete hieß Barry Branson und war einer der Stellvertreter des zuständigen County Sheriffs. Barry Branson war ein breitschultriger Mann mit einem graumelierten Kinnbart und schätzungsweise zwanzig Kilo Übergewicht.

Wir zeigten auch Branson unsere Ausweise vor.

Er schob sich seinen Hut in den Nacken und runzelte die Stirn. „Ich will Ihnen ja nicht in die Suppe spucken, aber wie kommen Sie darauf, dass das etwas mit Ihren Ermittlungen zu tun hat? Für uns sah das nach einem Routinefall aus!“

„Wir haben uns vor einer halben Stunde mit einem Harley-Fahrer namens Brad Mendoza auf einem Parkplatz ganz hier in der Nähe getroffen.“

Barry Branson atmete tief durch und kratzte sich am Kinn. „Das war auch der Name, der im Führerschein des Verunglückten angegeben war. Der Tote liegt im Krankenwagen. Der Notarzt konnte leider nur noch den Tod feststellen.“

„Die Leiche darf auf keinen Fall abtransportiert werden“, sagte ich bestimmt.

„Sie wollen eine Obduktion durchführen lassen?“

„Falls es nur den geringsten Verdacht eines Fremdverschuldens gibt – ja.“

„Hören Sie, Agent…“

„Trevellian.“

„Wir sind selbst erst vor kurzem hier eingetroffen und konnten gerade mal die Unfallstelle einigermaßen absichern. Zu weiteren Ermittlungen sind wir noch nicht gekommen.“

„Wir werden unsere eigenen Spurensicherer hierher beordern“, kündigte ich an. „Mister Mendoza war ein wichtiger Informant für uns.“

 

„Sie glauben an einen Mord?“

„Wir müssen diese Möglichkeit jedenfalls ausschließen, bevor wir von einem normalen Verkehrsunfall ausgehen können. Gibt es Anhaltspunkte dafür, dass ein zweites Fahrzeug an dem Unfallgeschehen beteiligt war?“

Branson zuckte die Schultern. „Sagen wir so: Ausgeschlossen ist das nicht.“

Branson führte uns zu dem Baum gegen den Mendoza gerast war. Er rief einen seiner Leute herbei, die uns den Führerschein brachten, den er bei sich getragen hatte. Außerdem sein Handy und seine Brieftasche.

„Aber was eine Obduktion angeht, glaube ich, die Mühe können Sie sich sparen. Wenn man frontal gegen einen Baum wie diesen rast, dann kann das die schwersten Verletzungen nach sich ziehen.“

Ich blickte mich um.

„Wie haben Sie von dem Unfall erfahren?“, fragte ich an Branson gerichtet. „Schließlich waren Sie ziemlich schnell am Ort des Geschehens, wenn ich das richtig nachrechne…“

„War purer Zufall. Wir befanden uns gerade etwa zehn Minuten von hier auf Streife. Da kam der Anruf aus dem Büro des Sheriffs. Jemand hatte sich dort gemeldet, der das verunglückte Motorrad am Straßenrand liegen sah.“

„Haben Sie die Personalien dieses Fahrers?“

„Ja.“ Er langte zu einem kleinen Block, der aus seiner Jackentasche herausragte und sah darauf nach. „Ein Mister Brian Davis Montgomery aus New Rochelle, New York State, von Beruf Handelsvertreter. Er hat hier gewartet, bis wir eintrafen. Ich habe ihn weiterfahren lassen. Vom eigentlichen Unfallgeschehen hat er nichts mitbekommen und außerdem schien er mir ziemlich fix und fertig zu sein.“

„Dieser Montgomery hat nicht versucht, Mendoza zu helfen, als er ihn gefunden hat?“

Branson schüttelte den Kopf. „Er hielt ihn für tot. Wir haben aber trotzdem den sicherheitshalber Notarzt verständigt. Schließlich wollten wir uns nicht auf die Einschätzung deines Laien verlassen. Ich kann Ihnen sagen, da habe ich schon die dollsten Dinger erlebt…“